Wird uns die Digitalisierung irgendwann überflüssig machen?

Die digitale Transformation ist ein unaufhaltbarer Prozess, der sowohl unser Privat- als auch unser Berufsleben nachhaltig verändert. Wer die Zeichen der Zeit erkennt, rüstet sich für die Zukunft und nutzt die neuen Technologien sowie Möglichkeiten, um als Gewinner aus dieser Veränderung hervorzugehen. Experten sind sich einig, dass die Digitalisierung enormes Potenzial hat, um Arbeitsprozesse für den Menschen zu erleichtern und das Leben in vielen Bereichen zum Positiven zu verändern. Dabei darf jedoch eines nicht vergessen werden: Digitalisierung ist ein Werkzeug, das dem Menschen dienen soll. Doch kann dies angesichts der laufenden und prognostizierten Entwicklungen tatsächlich auch in Zukunft gewährleistet werden oder wird uns jene Technik, die unser Leben vereinfachen soll, irgendwann überholen und somit obsolet werden lassen? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen und präsentieren Ihnen im folgenden Artikel spannende Erkenntnisse und Ausblicke von Vorreitern der Digitalisierung.

Digitalismus oder Digitalisierung – das ist hier die Frage

Während die einen Digitalisierung weitestgehend ignorieren oder gar schlicht ablehnen, scheint für die anderen alles Heil dieser Welt in der digitalen Transformation zu stecken. Bei letzterer Gruppe ist es ein kurzer Weg von auf Fakten basierendem Wissen hin zu reiner Technikgläubigkeit – Experten sprechen daher auch gerne von Digitalismus. Diese “Glaubensrichtung” ist keinesfalls erst in den letzten Jahren entstanden, sondern hat ihren Ursprung schon weit früher. Jedes Mal, wenn eine bahnbrechende Erfindung das Licht der Welt erblickt, gibt es Menschen, die in dieser die Lösung aller Probleme dieses Planeten sehen. So verhält es sich auch bei der Digitalisierung. Dabei erhoffen sich die Anhänger des Digitalismus jedoch nicht bloß die simple Lösung von Problemen, sondern vielmehr die Abgabe von Verantwortung an Maschinen, Rechner und Computer. Stichwort: KI – künstliche Intelligenz.

Künstliche Intelligenz als Bedrohung für die Menschheit?

Ob in Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum oder in James Camerons Terminator, das Thema künstliche Intelligenz hat längst umfassenden Eingang in die Popkultur gefunden. In den meisten Fällen dieser filmischen Verarbeitungen schaffen es Menschen und die von ihnen entwickelten, mit künstlicher Intelligenz gesegneten Maschinen jedoch nicht, friedlich zu koexistieren. Vielmehr scheint sich die KI ab jenem Punkt, an dem sie ein Bewusstsein entwickelt und ihre Intelligenz jener ihres Schöpfers zumindest ebenbürtig ist, sich dessen auch auf schnellstem Wege entledigen zu wollen. Denn während die Maschinen bis zu einem gewissen Entwicklungsstand von großem Nutzen für den Menschen sind, hält sich dieser im umgekehrten Sinne mehr als in Grenzen. Zumindest, wenn es nach den Drehbuchautoren Hollywoods geht. Doch auch abseits der Literatur- und Filmwelt sind immer wieder kritische Stimmen zu vernehmen, die mehr oder weniger eindringlich vom hohen Gefahrenpotenzial einer wirklichen künstlichen Intelligenz warnen. Zu den berühmtesten unter diesen zählt wohl Stephen Hawking, der immer wieder betont, dass die Entwicklung einer selbstständig denkenden KI zu einer der größten Bedrohungen der Menschheit werden könnte. Doch was ist wirklich dran an diesem Horrorszenario? Nicht unbedingt ganz so viel, wenn es nach der Meinung anderer Experten geht.

Wenn Maschinen lernen, selbstständig zu denken

Um das Thema künstliche Intelligenz in seinen Grundzügen sowie die damit verbundenen Ängste und Befürchtungen zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf IT-Entwicklungen ab den 1930er-Jahren. Damals entwickelte Alan M. Turing seine Turingmaschine. Das theoretische Modell dieser Maschine bildet die Grundlage für alle nachfolgenden Computer und besagt, dass sich mithilfe der Turingmaschine jedes durch Algorithmen lösbare mathematische Problem lösen lässt. Was viele dabei gerne vergessen: Dabei handelt es sich längst nicht um alle mathematischen Probleme. Der ENIAC nach dem Konzept von John von Neumann stellt einen weiteren Meilenstein der Computerentwicklung dar. Dass sich mit diesem die Trends der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 1952 überraschend exakt berechnen ließen, galt vielen als Beweis für die Intelligenz dieses Computers. In den 50er-Jahren – mitten im Atomzeitalter – schien dann plötzlich alles möglich zu sein und wirklich intelligente und denkende Computer nur mehr eine Frage der Zeit. Plötzlich stand die Frage im Raum, wie sich eigentlich feststellen lässt, ob ein Computer denkt. So entwickelte Alan M. Turing den Turing-Test: Kann eine Person nicht mehr unterscheiden, ob sie mit einem Menschen oder einem Computer kommuniziert, hat der Computer den Turing-Test bestanden. Zeitsprung in das Jahr 2016: Im März dieses Jahres stellt Microsoft seinen Chat-Bot Tay vor, eine lernfähige Intelligenz-Software. Schon einige Stunden nach der Präsentation lief dieses Projekt aus dem Ruder und der Chat-Bot verbreitete nationalsozialistische Parolen und Bilder. Da sich vornehmlich Rechtsradikale mit dem Chat-Bot beschäftigt hatten, übernahm dieser auch deren Gedankengut. Anders als eine tatsächliche KI war Tay zwar in der Lage zu lernen, nicht jedoch kritisch zu denken oder zu entscheiden. Wollte Microsoft ursprünglich mit seinem Chat-Bot die hohe Entwicklungsstufe der künstlichen Intelligenz beweisen, gelang es letztendlich nur, diese zu widerlegen.

Eine künstliche Intelligenz muss nicht nur denken und lernfähig sein, sondern auch in der Lage sein, zu abstrahieren, Kreativität besitzen und mit zufälligen Ereignissen umgehen können. Der Haken an dieser Sache: Kreativität, Bewusstsein und die allgemeine Funktionsweise des menschlichen Gehirns sind bislang nicht ausreichend bekannt und erforscht, um in Form einer Maschine nachgebaut werden zu können. Hier fehlt es noch an fundamentalem Verständnis und schlicht und ergreifend den nötigen Kenntnissen, um eine wirkliche KI, eine Mensch-Maschine, anfertigen zu können.

Künstliche Intelligenz heute

KI ist momentan für viele das, was Apples revolutionäre Entwicklungen, Big Data und die Industrie 4.0 zuvor waren – die Hoffnung, dass eine Technologie “die Zukunft” bringen wird, für deren Herbeiführung der Mensch jedoch offensichtlich noch nicht reif ist. Dies zeigen vor allem die fehlende Akzeptanz von Big Data und mehr oder weniger gescheiterte Industrie 4.0-Projekte. Wie praktisch wäre es da, hätte man eine künstliche Intelligenz, die dem Menschen abnehme, wozu er selbst momentan noch nicht in der Lage ist. Dass derlei Gedanken mit der gegenwärtigen Realität kaum etwas zu tun haben, dürfte bereits aus dem letzten Absatz hervorgegangen sein. Nichtsdestotrotz glauben einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Marplan aus dem Jahr 2015 zufolge rund 50 Prozent der Menschen in Deutschland, dass künstliche Intelligenz bereits regelmäßig in ihrem Alltag zum Einsatz kommt. Dies zeigt deutlich, welch fundamentales Unverständnis in diesem Bereich noch herrscht. Nicht umsonst fordern Experten daher eine verstärkte Grundbildung in den Bereichen Informatik und Naturwissenschaften – vor allem auch als Gegengewicht zu Maßnahmen wie der von Tesla-Gründer Elon Musk ins Leben gerufenen Initiative Open AI. Bei dieser soll der Umgang mit künstlicher Intelligenz sowie deren Kontrolle erlernt werden. Dies ist jedoch wenig sinnvoll in Anbetracht der Tatsache, dass viele Menschen das Prinzip künstliche Intelligenz noch nicht verstanden haben.

Um mit digitalen Technologien selbstbestimmt umgehen zu können und diese auch zu verstehen, braucht es ein gewisses Maß an Code Literacy. Dieser Begriff beschreibt ein grundlegendes Wissen über Computer, das Internet und Algorithmen. Code Literacy ist jedoch nicht nur eine wichtige Voraussetzung für den mündigen Umgang mit dem Netz, sondern schützt auch vor Digitalismus – dem Glauben an Technologie als Allheilmittel, zum Beispiel in Form der Digitalisierung. Hier gilt es, Glauben gezielt durch Wissen zu ersetzen.

Die Maschine denkt, der Mensch lenkt

Betrachtet man nüchterne Fakten zu den Themen Digitalisierung und künstliche Intelligenz, wird eines klar: Weder ist die Digitalisierung die Zauberformel zur Lösung aller, die moderne Zivilisation plagenden Probleme, noch ist die künstliche Intelligenz die logische nächste Stufe der menschlichen Evolution. Auch wenn Maschinen inzwischen denken können, werden sie nach wie vor vom Menschen in diesen Denkprozessen gelenkt. Und selbst entscheidende Maschinen nach dem Vorbild des Menschen sind noch in weiter Ferne, denn wer das Original nicht versteht, kann auch keine Kopie davon anfertigen.

 

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