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Kurzportrait von Mola Adebisi

  • Mola Adebisi ist Künstler, Tänzer, Sänger, Moderator, Musik Produzent, Buchautor, Synchronsprecher, Rennfahrer und Sportler
  • Er war unter anderem beim Dschungelcamp und Promi-Boxen
  • Er gibt hin und wieder Seminare an der Fachhochschule Recklinghausen zum Thema Personality PR

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Podcast in Textform

Norman: Herzlichlich willkommen! Schön, dass Ihr wieder reinhört. Hier ist Norman von MARKENREBELL.FM. In meinem heutigen Interview mit Mola Adebisi spreche ich über das Thema, warum Du Dich als Marke immer wieder neu erfinden musst. Mola, vielen Dank für Deine Zeit! Schön, dass Du da bist. Bist Du ready und wollen wir loslegen?

 

Mola: Ich bin ready und ich möchte loslegen mit Dir.

 

Norman: Mola, als Künstler, Tänzer, Sänger, Moderator, Musikproduzent, Buchautor, Synchronsprecher, Rennfahrer und Sportler - um nur einige wenige Deiner Tätigkeitsfelder aufzuzählen -, hast Du es geschafft, Dich als prominente Persönlichkeit und damit als Marke aufzubauen. Erzähl uns doch gerne etwas mehr als Dich privat - wer ist Mola Adebisi privat und was genau Du zurzeit als Dein Business machst?

 

Mola: Naja gut, man muss natürlich sagen, dass ich das alles bin - theoretisch gesehen - und nichts davon wirklich. Der Mola selber ist ein ganz normaler Typ. Ich bin Kumpel, Sohn, Freund, kleiner Bruder, Cousin, alles. Da sehen mich die Menschen glaube ich ganz anders in meinem privaten Umfeld, als die Menschen dort draußen.

 

Für die Menschen dort draußen bin ich dann der Viva-Moderator in erster Linie. In zweiter Linie kommt dann Promi-Boxen, Dschungel-Teilnehmer, Rennfahrer und all das, was ich in meiner Karriere bis jetzt alles gemacht habe. Das Ganze ergibt ein Bild und vermeintlich auch ein Image oder auf der anderen Seite einen Bekanntheitsgrad. Dieser Bekanntheitsgrad ist X; der wird dann immer gerne gemessen in A, B und C, was aber gar nicht stimmt. Diese Einteilung gibt es ja gar nicht. Es gibt leider keine Markenkommission, die beschließt Du bist A oder Du bist B oder Du bist C.

 

Ich habe einen relativ hohen Bekanntheitsgrad und das seit 20 Jahren. Ich bin 1993 zum Fernsehen gekommen. Wir schreiben jetzt das Jahr 2016, also ich bin seit 22 Jahren eine bekannte Persönlichkeit in Deutschland. Das kann man ja mal so sagen. So ist es ja auch.

 

Norman: Tatsache!

 

Mola: Ja, das ist eine Tatsache. Ich habe mich in der Zeit bestimmt das eine oder andere Mal neu erfunden. Bei mir als Person habe ich aber nie dran gesessen, dass ich mich als Marke neu definiert habe oder mich neu erfunden habe oder …. Jetzt klingelt es an der Tür, da muss ich mal aufmachen.

 

Norman: (lacht) Kein Problem, das bleibt auf der Aufnahme und ich mache jetzt hier den Unterbrecher-Werbeblog, wie das so schön heißt im Fernsehen. Ich muss mir nur noch einen Sponsor suchen, aber ich freue mich,  dass der Mola hier in der Show ist, um mal wirklich zu überbrücken bis die Türe auf und der Postbote abgefertigt ist oder wer auch immer da ist. Wir fragen gleich mal nach.

 

Ich will heute in dieser Show natürlich ein bisschen mehr rauskriegen: Wer ist der Mola in Persona und Hintergrundwissen erfahren und nicht so sehr das, was man aus den Medien, aus dem Fernsehen kennt. Deswegen habe ich mir ein paar Fragen überlegt und hoffe, dass Mola gleich wieder da ist (lacht). Ist ja geil, das hatte ich auch noch nicht in einem Podcast.

 

(Das Handy piept)  - So, eine Nachricht hat er auch noch bekommen (lacht)

 

Das wäre natürlich cool, wenn wir live wären, dann könntet Ihr nämlich, die Ihr da draußen zuhört, ein paar Fragen stellen, die ich dem Mola dann stellen würde, aber… Ich habe hoffentlich ein paar interessante Fragen auf Lager. Wenn er dann zurückkommt, das ist ja auch noch die Frage. Vielleicht hat er jetzt keine Lust mehr, aber das glaube ich nicht. Das ist ein echt netter. Ich habe im Vorgespräch ein bisschen mit ihm geplaudert. Das ist echt ein netter Typ.

 

Er kommt zurück.

 

Mola: Der Paketpostbote!

 

Norman: (lacht) Ich wollte gerade fragen: Wer war das denn?

 

Mola: Ja, sonst klingelt hier keiner. Das hat mich sehr gewundert. Nimmt das direkt weiter auf?

 

Norman: Natürlich, wir lassen das so drauf. Ich habe jetzt schön überbrückt. (lacht)

 

Mola: Okay. Ja… Ich als Marke bin nie so dran gegangen, das ich mich weiterentwickeln wollte oder muss oder konnte. Ich habe mir viele Dinge ermöglicht oder versucht. Das waren Träume, das waren Spinnereien, eine Unterwäschekollektion und all das. Ich habe dann mit 26 angefangen zu studieren bis ich dann 30 geworden bin. Ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert, Fachrichtung Marketing. Also das studiert was alle machen, wenn sie nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen können - das habe ich dann auch getan.

 

Dann habe ich später gelernt, was die Inhalte einer Marke sind. Wir wollen jetzt nicht über Ubiquität, gleichbleibende Qualitäten und so sprechen, wenn es dann ins Wirtschaftswissenschaftliche geht, aber sicherlich klar, bei der Personality PR - so nenne ich das mal - ist natürlich schon identisch.  Ich gebe da auch das eine oder andere Seminar, zum Beispiel an der Fachhochschule in Recklinghausen.

 

Anders ist das, wenn man eine Person, ein Act launcht. Da baut man tatsächlich eine Marke. Ob es eine Boygroup ist, damals seinerzeit oder heute auch ein aktueller Künstler ist, von einem Hip-Hopper bis hin zu einem Songwriter ist. Da baut man eine Marke, da achtet man auf den Markt, man schaut sich die Markttendenzen an und versucht natürlich einen Künstler zu launchen, der genau in den Strom der Zeit oder auf diese Welle ganz genau passt.

 

Das ist bei mir nicht so richtig anzuwenden, weil ich tatsächlich noch ein Eigengewächs bin. Ich bin geboren als Marke heraus aus der Marke VIVA. Aus der Marke Musikfernsehen, Jugendfernsehen. VIVA war aber nicht ein reiner Musiksender, sondern eigentlich ein Jugendsender und demnach trage ich sehr viele Elemente der Marke VIVA in meiner Person. Viele Leute setzen das gleich: Mola und VIVA. Das kann ein Vor- oder auch ein Nachteil sein.

 

Norman: Ja, bevor wir da weiter einsteigen, weil das finde ich ein echt spannendes Spannungsverhältnis - auch ein interessanter Satz… Wie man auf der einen Seite aus Deiner Erfahrung, vor allen Dingen aus der Fernsehmarke inszeniert, aber trotzdem irgendwie authentisch bleiben muss, um Glaubwürdigkeit zu haben. Da würde mich vorher noch interessieren: Gibt es in Deinem Leben ein Glaubenssatz oder ein Erfolgsmantra? Was treibt Dich an? Gibt es da einen Satz oder einen Spruch, den Du an Deiner Wand hast?

 

Mola: Ja, ich habe früher immer gesagt Never crack under pressure. Heute, wenn ich Vorlesungen gebe, beispielsweise für die Existenzgründer an der IHK, dann sage ich denen immer Flexibilität. Weil tatsächlich ist das Neuerfinden nichts anderes als flexibel sein. Man muss flexibel sein, um erfolgreich zu bleiben.

 

Nehmen wir mal das Musikbeispiel. Man sagt immer, Madonna hat 1.000 Gesichter. Hat sie eigentlich nicht. Sondern Madonna guckt ganz genau: Wo ist der Trend, wohin geht die Reise? Und dann verändere ich mich dementsprechend, um der neuen Zielgruppe gerecht zu werden. Eigentlich ist es genau das, was man tun muss, um erfolgreich zu sein.

 

Nehmen wir eine Künstlerin wie Pink, deren erstes Album ein R&B-/Soul-Album gewesen ist. Das zweite Album war dann Rock/Pop. Diese Frau hat sich also genau um 180 Grad gedreht, von der Britney Spears hin zur Singer/Songwriterin, Rock-Künstlerin, wie sie es jetzt ist. Die war halt flexibel. Wäre sie nicht flexibel gewesen, dann wäre sie untergegangen in der Boygroup-Ära. Die erste Platte ist ja schlicht und ergreifend gefloppt. Danach hat sie ja schon eine recht ansehnliche auf Weltniveau Karriere hingelegt, wie man schon sagen kann.

 

Und das gilt für alle Marken, für alle Firmen, dass man flexibel ist und dass man sich den Marktbedingungen anpasst. Deswegen gehen große Companies mit großem Erfolg auch unter, was ja eigentlich nicht sein darf. Ich nehme da als Beispiel Swatch. Swatch und Casio - die G-Shock. Eine junge Uhr, die die Teens getragen haben, war immer die Swatch. In unserer Jugend, da hat man so ein Ding am Arm gehabt. Die hat 65 D-Mark gekostet und dann hatte man die in allen Farben und Variationen. Ein paar Limited Editions noch und da gab es auch gar nichts anderes. Dann kam irgendwann die G-Shock und die haben diesen Markt einfach verschlafen.

 

Plattenfirmen - wie kann es sein, dass diese großen Industrien es nicht geschafft haben, sich auf eine Plattform zu einigen, auf der sie mp3’s verkaufen? Da kommt dann so ein Computerhersteller und sagt “Ich kaufe euch die ab für 50 Cent” und die sagen “Das ist alles Schwachsinn, die CD wird niemals sterben”. So. Wo sind wir jetzt Milliarden von verkauften Songs später? Wobei man ja zu Apple sagen muss, die haben ja nichts mit Musik zu tun. Die produzieren die nicht, die lizenzieren die einfach von jemand anderes und machen das Geschäft. Das sind dann für mich immer diese interessanten Entwicklungen, wie große Firmen tatsächlich aufgrund ihrer Steifheit untergehen.

 

Nokia. Ich meine, in unserer Zeit gab es nichts anderes als Nokia. Das war DAS Telefon. Hattest Du kein Nokia, warst Du einfach raus. Da warst Du einfach nicht angesagt. Du konntest diese komischen Strichmännchen nicht schicken und dann hat jeder gesagt “Guck mal Junge, Du kannst dieses Strichmännchen, den Tannenbaum und so nicht (aus komischen Buchstaben gestellt). Du bist einfach raus”. Da kamst Du mit keinem Telefon dagegen an.

 

Und heute - unter ferner liefen. Wenn es die überhaupt noch gibt. Also, das ist ja ein Witz! Wie kann das passieren? Vom Weltmarktführer, dass die einfach sehenden Auges sehen, wie ihnen der Markt weggenommen wird. Das wundert mich immer wieder. Es liegt aber daran, dass man irgendwann gemütlich in seinem Erfolg ist und es gibt einen bei Nokia, der Milliardär geworden ist, der an der Spitze steht und dem das eigentlich egal ist. Der sagt “Guck mal, ich lebe eh nur noch 20 Jahre. Ich habe jetzt 500 Mio. Ob ich nun 500 Mio. auf dem Konto habe oder 750 Mio. ist eigentlich egal. Beides kann ich nicht mehr ausgeben” und deswegen passiert sowas. Dann machen die alles andere so weiter - Business as usual.

 

Es ist keine neue Erfindung, sondern es ist ein notwendiges Übel, dass man immer wieder sich weiterentwickeln muss. Man macht auch Fehler. Ich habe auch Fehler in meiner Karriere gemacht, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass ich immer weiter machen muss. Es ist ja mein Leben. Ich muss immer wieder was Neues machen und auch gucken, dass ich eine neue Nische besetze. Dass ich mich anders positioniere im Markt, damit ich funktioniere und damit ich Geld verdiene.

 

Ein Beispiel ganz aktuell bei mir: Früher gab es große Galas. Man konnte viel moderieren; dann wurde eingeflogen; man musste drei bis fünf Künstler ansagen; dafür habe ich viel verdient - man muss ja nicht mit Geld prahlen - und habe dann einfach die Moderation gemacht. Heute gibt es das nicht mehr. Keiner leistet sich mehr einen teuren Moderator. Nicht für eine Messe, nicht für ein Autohaus. Früher habe ich in Autohäusern präsentiert. Da habe ich tausende von Euros eingesteckt, dass ich gesagt habe Und hier, das ist der neue Opel. Da haben die Leute viel Geld für gezahlt. Das passiert heute nicht.

 

Das heißt, ich habe angefangen aufzulegen. Es gibt viele 90er Parties. Ich habe mir ein Traktor-Set geholt, habe jetzt gelernt einigermaßen einen Song hinter den anderen zu kleben, habe meine Setliste und kann frei spielen, so wie es ist. Wenn die Leute ein bisschen mehr Rock wollen, dann kriegen die mehr Rock. Wenn sie mehr Dance wollen, dann kriegen die mehr Dance. Da dann variabel sein in den Clubs und lege in den Clubs auf. Damit verdiene ich jetzt als Künstler den Hauptteil meines Geldes. Nicht mehr mit der Moderation.

 

Habe ich mich jetzt neu erfunden oder war das jetzt einfach, um meine Existenz zu retten? Das ist immer so eine Frage. Es ist gar keine Erfindung. Und warum machen denn die größten Marken so viel Werbung? - eigentlich Schwachsinn. Coca Cola muss keine Werbung machen. Müssen die nicht. Es gibt nicht einmal eine Konkurrenz dazu.

 

Wenn wir jetzt wissenschaftlich werden und sagen: In welchem Produktlebenszyklus befindet sich denn Coca Cola? Da wird Dir kein Gelehrter sagen können, in welchem. Genau richtig. Weil sie ständig und stetig sich immer weiterentwickeln. Deswegen sind nicht einzuordnen. Sie entziehen sich einfach dieser Gesetzmäßigkeit.

 

Dann kommen wir zurück zu dem, was eigentlich ist. Sarah Connor singt jetzt auf deutsch. Sie hat einfach eine zweite Karriere angeschoben. Das ist es halt. Dieter Bohlen nach Modern Talking hat in den 90ern einen Rapper dazugeholt, die Songs aufgelegt, ist dann zu RTL gekommen, ist jetzt der große Ankerman - interessiert doch heute gar keinen mehr, was der da bei Modern Talking gesungen hat. Heute ist nur noch der Supertalent- und der DSDS-Juror. Also eigentlich eine komplett neue zweite Karriere.

 

Norman: Glaubst Du, dass Unternehmen, ob jetzt Nokia & Co., einfach die Geschwindigkeit, die Schnelligkeit in dem heutigen Zeitalter der Digitalisierung unterschätzt haben?

 

Mola: Ja, sie haben sie unterschätzt - nein, das ist nicht Unterschätzen, das ist Arroganz. Ich weiß noch sehr genau, wie die Industrie auf das Internet reagiert hat und gesagt hat Ach Quatsch, das wird alles nichts. Nee, das bleibt alles so, wie es ist. Und man ist dann auch irgendwann zu steif im Kopf, als dass man sich mit diesen Dingen auseinandersetzen kann.

 

Aktuelles Beispiel: Mola und Internet. Ich war immer ein Fernsehkind und habe gesagt Dieser ganze YouTube-Scheiß, das ist doch alles Schwachsinn. Bis irgendwann ein Freund von mir gesagt hat: “Hey Mola, sollen wir einen YouTube-Channel aufmachen?” Da habe ich gesagt: “Ach hör doch auf, was willst Du mit so einer Scheiße?” Dann habe ich den irgendwann wieder getroffen, er hat jetzt eine Agentur, hat Alberto & Kollegah. Und dann habe ich gesagt “Was bringt ihr denn so?” Ich habe mich dann halt in so einen Beach Club rein investiert und dann meinte er “Mola, wir sind Freunde, das passt nicht. Wenn ich ein Posting für Dich mache, ein Post”. Da sage ich “Ja, was soll das denn kosten?” Ich dachte lass das mal 200-300 Euro kosten. Da sagt er “Ein Freundschaftspreis wäre 5.000 Euro”. Da sage ich “Was???” - “Ja, wir nehmen pro Posting 6.500 Euro und wir sind voll, wir sind dicht. Wir können gar nicht mehr. Für einen Post!! “Dafür, dass Du auf Deiner Facebookseite schreibt “Geht jetzt alle da und da und da hin”, da nimmt der 6.500 Euro für?” - “Ja, natürlich!”

 

Und dann habe ich erst erkannt Ach du grüne Neune! Da ist eine Industrie neben Dir gewachsen, die Du nicht ernst genommen hast und die auch ein eigenes Geschäftsmodell hat. YouTube bietet ja durchaus ein Geschäftsmodell an für alle YouTuber, die über 10.000 Abonnenten hat. Es ist ein ernstzunehmendes Geschäftsmodell. Man kann nach der Schule sagen: Okay, ich möchte YouTuber werden. Und wenn man das vernünftig macht, wird man damit Geld verdienen; wahrscheinlich mehr Geld verdienen, als man das in einem klassischen Job machen kann. Wenn der Content stimmt, wenn die Machart stimmt; klar, wenn es Massenkompatibel ist, aber da sieht man schon, dass wir uns in einer ganz interessanten Zeit heute bewegen, wo wir alle total aufpassen müssen, weil sonst kommt wieder ein neuer Trend, wir verpassen den und das wäre dann vielleicht unser Geschäft gewesen, womit wir ausgesorgt hätten. Das geht ganz schnell.

 

Norman: Hm, was denkst Du, wenn Du mal in Deine Glaskugel schaust: Geht Fernsehen unter? Ich meine, die Reichweiten gehen ja messbar zurück. Nichtsdestotrotz habe ich eine Studie gelesen, dass gerade die Jüngeren doch noch zwei Stunden am Tag Fernsehen schauen, aber wo geht für Dich die Reise mit dem klassischen TV hin? Wechselt es jetzt nur das Medium, wird das also Internet on Demand oder wird es neue Formate geben?

 

Mola: Sicherlich wird es das ein oder andere neue Format geben und dann kommen zwei Sachen zusammen: Die Sehgewohnheiten im Internet sind andere Sehgewohnheiten als im Fernsehen und vielleicht im Kino. Das Kino wird auch nicht aussterben, aber: Ich gehe jetzt nicht mehr für jeden Schrott ins Kino. Ja, das ist tatsächlich wahr und ich muss mir nicht unbedingt den letzten Blockbuster im Fernsehen angucken. Das heißt, die RTLs, ProSieben dieser Welt werden sich überlegen, ob sie diese teuren Dinger einkaufen werden künftig oder nicht, weil Netflix macht natürlich große Probleme.

 

Nur am Ende des Tages ist die Sehgewohnheit, dass ich berieselt werde. Das kann mir das Internet nicht bieten. Ich muss wissen, was ich gucken möchte und wir sind gewohnt vom Radio, vom Fernsehen, da sind wir seit Jahren geschult, dass wir was einschalten und uns berieseln lassen. Das kann das Internet nicht bieten. Das Internet kann ganz klar bieten: Pass auf, Du bist ein Fan: Narcos, super Serie - guck Dir das an! Dann schalte ich das an und gucke die ganze Staffel durch - bleibe das ganze Wochenende im Bett.

 

Aber: Fernsehen ist einfach von der Machart her. Die Filme sind qualitativ gut gemacht, auch die Nachrichten sind qualitativ gut gemacht. Ich bin umfassend beraten und informiert, deswegen wird es das Fernsehen immer geben. Es wird auch immer das Schlachtschiff bleiben als Kommunikationskanal.

 

Wenn Du im Fernsehen bist, bist du was. Du kannst jetzt der größte YouTube-Star sein… Ich merke das ja an mir. Ich laufe mit Alberto beispielsweise, der einer der größten YouTube-Stars ist mit 1 Mio. Abonnenten, durch die Straße. Mich erkennen die Menschen, ihn erkennen sie nicht, wobei der eigentlich in seinem Genre sehr viel bekannter ist und die 6.000 Euro kassiert pro Posting.

 

Wenn man das jetzt mal vergleicht: Ich habe 10.000 YouTube oder Facebook-Fans und der hat 1 Mio. Da merkt man schon, was für ein Ungleichgewicht das ist. Jetzt müsste man fragen, wie viele von diesen Millionen Leuten, die Alberto-Fans sind, kennen mich? Das sind aber zwingend keine Fans. Also, was ist ein echter Bekanntheitsgrad? Wonach misst man das? Ist man bekannt, weil man viele Follower hat? Ist man bekannt, weil man viele Abonnenten hat?

 

Ich habe da mal lange mit DJ Tomekk drüber gesprochen und er sagt: “Mola, das ist das Problem von uns. Wir haben einen echten Bekanntheitsgrad, aber wir haben das nicht umgemünzt in Social Media.”

 

Norman: Die Interaktion fehlt, ne?

 

Mola: Ja genau, richtig. Das heißt, es wird irgendein YouTube-Star gebucht in einen Club, wo der nicht auflegen kann oder wo der einfach nur Zugegen ist. Die Disco sagt schlicht und ergreifend Pass auf, wenn der das bei sich auf der Seite postet, dass der heute bei mir im Club ist, dann kommen einfach 500 Leute mehr. Dann hat sich das schon gelohnt. Und so denken die Clubbesitzer. Da sind natürlich Probleme oder Märkte, die an uns vorbeigegangen sind. Wir hätten früher in unserer Prime uns diesen Markt erobern müssen - haben wir aber nicht. Wir haben geschlafen und Leute, die nicht diesen Bekanntheitsgrad hatten, die haben dann mit viel Fleiß und Arbeit sich eine ganz spitze Bekanntheit aufgebaut, mit der man aber mehr anfangen kann, die sie ja bespielen können.

 

Wir haben eine Bekanntheit, die können wir nicht freiwillig oder selbsttätig bespielen. Ich kann ins Fernsehen gehen. Man hat festgestellt, wenn der Mola ins Fernsehen geht, dann wird die Einschaltquote höher. Nehmen wir 2012, wo ich bei Deinem Freund Torsten Rossmann eine Sendung gemacht habe und die hatte extrem hohe Einschaltquoten. Trotzdem sind die N24-Zuschauer grundsätzlich keine Mola Adebisi Fans, aber sie kennen mich und wenn der was macht, was interessant ist, dann gucken wir das auch. So haben wir es geschafft, am Freitag eine halbe Mio. Zuschauer vor den Fernsehbildschirm zu fesseln und die ein Automagazin geguckt haben, was ja gar nichts mit Musik zu tun hat. Das ist ein Automagazin.

 

Norman: Ja, das heißt ja auch, dass die Marke per se immer irgendeine Plattform, eine Bühne braucht. Im Idealfall, in der heutigen Zeit mithilfe der digitalen Medien, mithilfe des Internets; am besten eine Plattform, die Dir selbst gehört. Eine Reichweite mit der Du interagieren kannst und weniger, wie es damals bei Dir tatsächlich war, dass Dein Bekanntheitsgrad halt funktioniert auf Bühnen, die Du nutzen musstest. Du warst natürlich auf Fernsehen angewiesen oder auf Formate, die entsprechende Reichweite schon hatten, ne?

 

Mola: Ja natürlich war ich drauf angewiesen. Nehmen wir Stefan Raab. Stefan Raab, da brauchen wir nicht drüber sprechen, wie bekannt der ist, aber er ist ein TV-Mann. Ich weiß gar nicht, ob er eine Facebook-Seite hat. Der hat dann nicht diese Durchschlagkraft im Internet - hat er nicht. Man kann ja nicht sagen, nur weil Stefan Raab nur 200.000 Abonnenten oder Follower hat, ist Alberto 5 Mal bekannter. Das ist ja schizophren. Das reißt die ganze Geschichte ja aus dem Gleichgewicht, dass wir heute in Likes oder Abonnenten gemessen werden, obwohl das überhaupt gar nicht der Wahrheit entspricht.

 

Meine vermeintlichen Fans oder die Leute, die mich kennen, sind gar nicht mehr in dem Alter und haben gar kein Interesse, in irgendeiner Art und Weise auf einen Knopf zu klicken, um zu sagen Ich bin jetzt Fan von der Seite vom Mola Adebisi. Die kommen aber in die Disco, um 90er Musik zu hören, weil sie alte VIVA-Leute sind. Das finden sie dann geil. Da holen sie sich vielleicht auch ein Autogramm, weil sie sagen Total cool! Mola, ich habe Dich früher immer im Fernsehen gesehen. Das ist einfach etwas ganz anderes. Deswegen gibt es da gerade einen interessanten Umbruch. Und zur Plattform muss ich sagen, dass das Internet oder Social Media im Allgemeinen meines Erachtens ein kleines wenig ein Zerrbild ist.

 

Nehmen wir die Hip-Hopper, die Deutsch-Hopper, die diese Plattform sehr, sehr erfolgreich nutzen, allem voran die Banger-Musiker, die tolle Social Media Experten sind, die ihre Alben, Konzerte, alles über Facebook, YouTube etc. vermarkten. Es gibt ja keinen Sender mehr, sondern Du machst einen großen Aufruhr im Internet, auf den Foren, disst hier, disst da, machst da einen Snippet und dann kommt Dein Video raus und alle gehen auf YouTube und gucken das Video an. Dann sagst Du Guck mal, wir haben jetzt schon 1 Mio. Hits auf unserem Video und dann kaufen die Leute tatsächlich die Platte.

 

Das funktioniert für Hip-Hopper, aber wenn ich Dir jetzt ein paar Namen aufzählen würde von den Leuten, die Gold gehen oder die Top10 Alben haben, dann wirst Du sagene: Ich habe noch nie - Majoe, der Platz 1 in den Album Charts war oder KC Rebell - gehört. Oder Summer Cem. So. Das ist dann komisch, weil wir kennen dann vielleicht Silbermond und Peter Fox und Gott weiß, wen alles noch, aber diese ganzen Hip-Hopper kennen wir gar nicht, die dann Platz 1 sind und die Album Charts besiedeln von oben bis unten.

 

Norman: Ja, interessant.

 

Mola: Das ist eine ganz eigene Community für sich. Deswegen ist dieses Thema Marke heute diversifizierter, als wir das eigentlich kennen.

 

Norman: Sind die Fans die neue Währung von Marken? Also, das spielt natürlich auf gewisse Weise den Wert einer Marke ein, aber ist es tatsächlich - vielleicht auch aus einer betriebswirtschaftlichen Sicht heraus - zum Firmenwert hinzuzurechnen aus Deiner Sicht?

 

Mola: Absolut! Absolut, nehmen wir - ich möchte da gerade keine Wertung zu geben -, aber den Trump. Er ist ja gerade US-Präsident geworden. Trump ist in seinem Baugeschäft immer gescheitert. Mit all seinen Vorhaben ist er in den Ruin gerutscht. Was hat er gemacht? Er hat immer seinen Namen, seine Marke gepflegt. Dann hat er Casinos gebaut - die Casinos sind pleite gegangen. Dann hat er andere Menschen dazu überredet, dass die Casinos bauen und seinen Namen darauf kleben und ihm dafür Geld geben, weil sein Name ja für Reichtum, für Erfolg steht. Und seitdem verdient der Geld. Das heißt, das eigentliche Know-How hatte Trump gar nicht. Das Einzige was der kann ist, diesen Namen vermarkten. Und das sind die erfolgreichsten Menschen dieses Jahrzehnts oder dieses Jahrhunderts sogar.

 

Nehmen wir Apple. Die erfinden ja auch nichts wirklich. Eigentlich ist diese Microsoft-Gemeinde die treibende Entwicklungskraft. Apple kann nur eine Erfindung nehmen, da einen Apfel drauf kleben und das richtig vermarkten und wir reißen alle die Arme hoch und sagen: Jaaaaaa!! Hurra!!!

 

Es war auch nicht das erste Touchscreen Telefon. Ich hatte ein Sony i900, ich glaube das war - keine Ahnung - ‘93, ‘94 gab es dieses Telefon schon, mit einem riesen Touchscreen - hat sich keiner für interessiert. Hat Apple ein Touchscreen rausgebracht und uns erzählt Ja, ihr dürft jetzt mit dem Finger auf den Screen touchen und das hat einfach die Welt revolutioniert. Das heißt, Marken sind die treibende Kraft.

 

Ich kaufe ein T-Shirt und Schuhe. Nehmen wir Schuhe. Ganz normale hochhackige Schuhe. Da steht irgendwas drauf, zahlen wir 60, vielleicht auch 100 Euro. Steht da Christian Louboutin drauf, dann kosten die gleichen Schuhe 699 Euro; 1.200 Euro - völlig sinnlos.

 

In meinem Freundeskreis haben sich Freunde Hermès-Taschen gekauft für 144.000 Euro… eine Handtasche….  

 

Norman: Krass! Das geht gar nicht! (lacht)

 

Mola: Ein guter Freund von mir hat seiner Frau… da habe ich ihm gesagt “Dafür kriegst Du einen Lamborghini - hast Du sie noch alle?!”

 

Norman: (lacht)

 

Mola: “Was ist los mit Dir?”

 

Norman: Geht gar nicht.

 

Mola: Da sagt er “Ja, aber die ist limitiert”. Ja und nur so Sachen. Der sammelt beispielsweise Mont Blanc Stifte. Füller. Da hat er eingekauft, den Fortune 88, da gibt es acht Stück von, für 88.000 Euro. Dann sage ich “Wo ist der denn?” - “Ja, in der Bank”.

 

Norman: Im Safe.

 

Mola: Dann sind wir zur Bank gefahren, er hat den rausgeholt. Da muss ja der Bankdirektor kommen, den Safe aufmachen und dann haben wir uns den angeguckt. Da sage ich “Was soll das??!” Das macht doch gar keinen Sinn. Den kannst Du noch nicht mal in die Vitrine stellen. Der hatte andere, die kosten 10.000 bis 12.000 Euro, die standen wenigstens in der Vitrine. Das habe ich ja noch verstanden. Die sind ja schön anzusehen, aber diesen ganz teuren, den kannst Du Dir noch nicht einmal ansehen. Den siehst Du nicht - völlig sinnfrei. Und wenn Du damit schreibst, sind die wertlos. Welchen Sinn macht das dann? - das macht gar keinen Sinn…Null… keinen Mehrwert.

 

Norman: Das heißt doch, dass die Inszenierung der Marke im Grunde den Wert erschafft. Also, wenn ich spannend bin für meine Zielgruppe - nehmen wir Apple -, dann schaffe ich im Grunde durch das Storytelling per se eine Bekanntheit, da schaffe ich einen Wert, da schaffe ich ein spannend sein und dann ist ja völlig egal, ob ich der Erfinder bin des Smartphones oder nicht, sondern dann habe ich einfach das coolere Produkt, die coolere Marke.

 

Mola: Ja. Ich bin ein totaler Apple Geek, ich bin ein Apple Freak, ich werde nie etwas anderes benutzer. Aber ganz offen unter uns: Samsung Telefone sind besser. Die waren auch schon immer besser. Wir haben eine scheiß Kamera. Es gibt viele Gründe über die man sich bei Apple ärgern kann. Aber sie haben es geschafft, dass mein - so nennt man das - Corporate Behavior so stark ist, dass wenn jetzt ein neues Telefon rauskommt… das iPhone 6 und das iPhone 7, da sind die Unterschiede so marginal, das ist die größte Unverschämtheit schlechthin. Wir kaufen das trotzdem. Und: Die machen es einfach noch teurer und dann verkaufen die uns irgendwas, was wir eh schon seit 100 Jahren haben und verkaufen es als Revoultion und wir schreien alle Hurra! Das ist einfach nur reines Marketing.

 

Ich habe einen interessanten Werbespot dazu gesehen von McDonald’s. McDonald’s hat einen Spot gemacht, als wenn sie Apple wären.

 

Norman: Ja geil (lacht)

 

Mola: Dann haben sie gesagt Ja, wir haben es noch einmal überdacht. Da haben sie dann mehrere Experten und haben so ganz langsam eine Pommes gezeigt in Slow Motion, wie sie sich so dreht Wir haben alles nochmal überdacht, wir haben die Form…. und im Grunde ist es immer inhaltloses Geschwätz was wir hören; wir hängen aber an den Lippen von den Apple-Machern und gucken uns schon Monate vorher Videos an. Da gibt es immer irgendeinen Technik-Freak, wo es geleaked wird. Wo einer komischerweise dann doch die ersten Fotos vom Telefon hat. Dann gibt es Vermutungen noch und nöcher und alle machen mit.

 

BILD, Google, Yahoo, alle schreiben Ja! Hier! Habt ihr schon gehört? - Angeblich dies das jenes… Die nehmen uns den Klinkenstecker vom Kopfhörer weg. Das musst Du Dir mal vorstellen! Und feiern noch. Das ist eine Unverschämtheit (lacht)

 

Norman: Und es ist deren Marketingstrategie. Die Geheimnistuerei ist PR. Das steuern die ganz bewusst.  

 

Mola: Ja und keiner sagt was! Es gibt kein Telefon, wo Du nicht diesen blöden Kopfhörer reinstecken kannst, nur ins blöde iPhone nicht. Und was machen wir? - Wir sagen Super! “Hast Du die neuen Kopfhörer gesehen? Die sind richtig geil.” Da sage ich: “Die sind echt hammer, die sehen cool aus” - ja gut, dann passt das auch. “Ja, die kosten nochmal” - halt! - “169 Euro extra.” - Wie???

 

Norman: Die Frage ist: Wo führt diese Aufwärtsspirale hin? Das wäre ja jetzt vor sagen wir mal drei Jahren nicht vorstellbar gewesen. Dieser strategische Schachzug wäre nicht machbar gewesen. Nur durch den Aufbau der Marke Apple schon, dass wir genau das tun, was Du gesagt hast. Die Frage ist: Wo endet das Ganze? Also, wir haben gerade über das stetige Hinterfragen als Marke, sich stetig weiterentwickeln, flexibel bleiben usw. gesprochen. Was kommt als nächstes?

 

Mola: Gar nichts. Es wird nichts passieren.

 

Norman: (lacht)

 

Mola: Ich kann Dir genau sagen, was passieren wird: Das iPhone wird irgendwann so teuer werden, dass die ersten Kids sich das nicht mehr leisten können. Dann wird es zum Premium-Produkt und dann wird es einen Spin-Off geben. Deswegen haben sie das iPhone 5c auch getestet. Dann werden die einfach ein altes Telefon nehmen, eine neue Hülle draufstecken und werden uns das als zweite Linie verkaufen. Dann gibt es halt das iPhone… und das iPhoneR - sagen wir jetzt einfach mal. So. Dann machen sie das R ein bisschen schick und dann verkaufen sie uns das 30% günstiger.

 

Bei dem iPhone c haben sie es ja kaum günstiger gemacht. Das war ja schon der Witz. Sie werden uns einfach eine zweite Linie präsentieren und dann wird der Aktienkurs nochmal durch die Decke gehen, weil jetzt gibt es das Premium iPhone und es gibt noch das Normalo-iPhone für die Normalsterblichen. Das wird passieren und die Umsätze werden nach oben schnellen.

 

Die Marke ist so stark, sie wird immer die Leute dazu treiben, es zu kaufen.

 

Norman: Lass uns nochmal ein bisschen zurück zu Dir kommen. Du weißt, wir lieben coole Stories von denen wir etwas lernen können. Gab es in Deinem Leben einen Moment, wo Du es so richtig schwer hattest oder wo Du einen Misserfolg hattest und was waren die Learnings daraus für Dich?

 

Mola: Ja, ich hatte viele Misserfolge in meiner Karriere. Learnings - meistens kann man es ja nicht mehr wieder gut machen. Das Schlimme beim Fernsehen ist ja: Wenn Du live einen Fehler machst … Ja. Dann hast Du halt live einen Fehler gemacht. Den kann man nicht wieder gut machen. Du kannst jetzt sagen Ich mache das nicht nochmal, aber die gleiche Situation bietet sich unter normalen Umständen in unserer Karriere nicht.

 

Wo viele drauf anspielen ist diese Dschungel-Geschichte. So. Da bin ich ja von vorne bis hinten verarscht worden. Das Problem dabei ist nur, wenn man drüber spricht, dann sagen die Leute “Er versucht sich rauszureden”. Nur, wenn ich sage “Na gut, Ihr müsst einfach sehen: Das was gezeigt wurde und das was reell dort passiert, hat miteinander nichts zu tun” und die Darstellung nach draußen ist eine ganz, ganz andere. Jetzt kann man sagen, das hätte ich auch wissen müssen - ja, ich wusste das auch, aber wie extrem man dann doch solche Situationen darstellen kann, dass es in meinen Augen schon eine Lüge ist oder in aller Augen und dass sich dann der Sender auch später entschuldigt, ist ja schon wieder eine andere Qualität. Nur: Ich sehe das nicht als Misserfolg. Das ist halt so.

 

In unserer Branche trifft man Entscheidungen und die sind dann halt so und die sind auch nicht wieder gut zu machen. A) Ich habe mich entschieden, das zu machen. B) Ich habe mich entschieden das Geld zu nehmen. C) Ich habe das Geld bekommen und dann hingen da noch D) Verpflichtungen vom Sender dran, die sie nicht erfüllt haben. E) Dann haben sie mich angelogen, aber F) dafür haben sie das Geld gezahlt.

 

Das ist jetzt so eine Sache, wo ich sage: Wow, okay, alles klar. Wenn man mir heute so etwas noch einmal anbieten würde, würde ich sagen: Nee, das mache ich nicht. Aber das ist ja immer einfach zu sagen, weil alle Voraussetzungen, die hätten erfüllt sein sollen, um es zu machen, wurden erfüllt. Das heißt, zu dem Zeitpunkt habe ich die richtige Entscheidung getroffen, weil sie gesagt haben “Wenn Du das Format machst, dann kriegst Du eine Samstagabend-Show, dann heiratest Du in die RTL-Familie ein; dann garantieren wir Dir fünf Top-Sendungen bei uns, wo Du Gast bist.” Meine größte Angst war ja, dass das mein Image beschädigt und ich habe gesagt “Ich möchte das nicht”. Sie sagten: “Nein, dafür werden wir sorgen. Was brauchst Du denn?” Da habe ich genau gesagt, was ich brauche, habe auch genau das bekommen was ich brauche und dann haben die mich bekommen und dann habe ich das nicht bekommen. Ich habe nur Geld bekommen.

 

Ich achte ja auch immer Menschen, die schlauer sind als ich. Die waren da einfach geschickter und schlauer. Die haben mich verarscht und da muss ich sagen: Respekt, Hut ab. Ich habe gedacht, ich habe an alles gedacht, aber habe ich nicht.

 

Norman: Naja, also das was Du gerade ansprichst, finde ich auch extrem schwierig in Deinem Geschäft oder generell im Fernseh-Geschäft, weil auf der einen Seite sagt Dir ja das Fernsehen “Hey, es ist alles so wie Du es siehst” und so wie Du gerade gesagt hast “Hey krass Leute, das was ihr seht ist ein Bewegbild, aber es hat mit der Realität Null zu tun” und dann Fehler zu korrigieren oder überhaupt gehört zu werden, wo ja doch die ganze Zeit die Propagandamaschine läuft und sagt “Hey, hier ist alles echt, was in unserem Fernsehen stattfindet”. Das finde ich super schwierig, ein Image auch korrigieren oder überhaupt zu erklären, also wieder geradezubiegen.

 

Mola: Ja, das ist auch nicht machbar, glaube ich, sondern die Menschen vergessen einfach irgendwann. Irgendwann bist Du wieder uninteressant und dann kann man wieder darauf aufbauen. Es ist am einfachsten neu zu starten, wenn Du neu bist, wenn Du frisch bist in einem Segment. Die Bekanntheit bleibt ja. Da nehme ich immer Bohlen - der war ja bei Modern Talking. Als sich die Musikrichtung geändert hat war er ja nicht mehr aktuell, aber er war sehr bekannt. Aber er war eigentlich negativ mit Frauengeschichten bekannt.

 

Als er dann durch DSDS ein neues Image bekommen hat, eine neue Rolle, eine neue Aufgabe, dann ist er zum Superstar geworden. Aber er wäre ja nicht zum Superstar geworden, wenn er nicht Modern Talking gemacht hätte und diesen Bekanntheitsgrad gehabt hätte. Das heißt, es fehlt eigentlich nur das richtige Format; das richtige Vehikel; die richtige Kommunikation, um so eine Bekanntheit dann positiv aufzuladen. Dann wären wir wieder beim Marken- und Imagetransfer, was auch wissenschaftlich zu belegen ist.

 

Der Dieter Bohlen hat eine hohe Markenbekanntheit, aber ihm fehlte Image. RTL hat das Image reingepumpt mit Deutschland sucht den Superstar - raus kam ein Superstar. Nicht die Leute, die da in der Sendung auftreten. Dieter Bohlen.

 

Norman: Ja genau.

 

Mola: Dieter Bohlen ist der Superstar. So.

 

Norman: Der Pop-Titan, ja.

 

Mola: Er ist der Pop-Titan geworden. Was für ein Pop-Titan? Wann macht der denn mal Musik? Sag mir doch mal ein paar Titel von ihm.

 

Norman: (lacht)

 

Mola: Ja, da denkt ja keiner drüber nach. Muss er ja auch gar nicht. Das ist doch das Eigentliche. Das interessante ist ja, je stärker die Marke ist, umso blinder wird die Zielgruppe. Die bestbezahlte Moderatorin im deutschen Fernsehen ist Sylvie Meis. Die hat gar kein Format. Wie kann das sein, dass Du einen 10 Mio. - Vertrag bekommst, aber gar keine Sendung? Also, das sind ja die interessanten Sachen. Man sichert sich einfach eine Marke, weil sie so positiv ist. Die haben damit kein Minus gemacht. Hauptsache die Konkurrenz hat sie nicht und ich kann sie so nutzen, wie ich sie brauche. Selbst wenn ich sie nicht nutze, ist sie zumindest nicht gegen mich.

 

Norman: Was ich so super spannend finde ist, wenn Du Dich entscheidest - wobei man diese Entscheidung nicht bewusst tut. Du stehst ja nicht morgens auf und sagst Hey, ich will jetzt mal Marke werden oder sowas, sondern Du entscheidest Dich vielleicht ins Fernsehen zu gehen oder Deinen Podcast zu starten oder einen Youtube-Kanal aufzumachen usw. Wie war das für Dich in dieser Zeit des Sichtbarwerdens? Ich meine, Du hast ja nicht nur Leute, die dann über Dich reden, die Dich lieben, sondern Du hast ja zwangsläufig gerade - das ist ja fast schon ein Indikator für Erfolg, wenn Du auch die Hater hast -, wenn Du die Leute hast, die Dir destruktiv…

 

Mola: …die Leute kriegst Du umsonst. Den Neid habe ich mir auch hart erarbeitet. Ja, stimmt.

 

Norman: Das ist ja auch oftmals die Blockade für viele Leute zu sagen: Oh nee, ich will nicht sichtbar werden, weil dann muss ich mich damit ja auseinandersetzen. Das ist ja was, was sofort an die Persönlichkeit, ans eigene Ego will. Also, diese destruktiven Kritiker. Wie bist Du damit umgegangen? Wie hast Du das in der ersten Zeit erlebt?

 

Mola: Ich war sehr jung und da hat mich das wahrscheinlich in meiner Jugendphase nicht interessiert. Heute, mit 43, kann man da ja so retrospektiv drauf blicken. Ich war immer Klassensprecher, ich war immer der Beste im Sport. Ich war immer der Erste, der gewählt worden ist in der Gruppe am Tisch zu sitzen. Ich war immer der Beliebteste. Das liegt jetzt auch daran, dass ich in einer Kleinstadt aufgewachsen bin. Als kleiner schwarzer Junge war ich natürlich eine Sensation hier in dem bescheidenen Solingen. So bin ich auch durch’s Leben gegangen. Ich habe gedacht, das geht immer so weiter.

 

Dann bin ich zum Casting gegangen, bin genommen worden und war dann VIVA-Moderator. Da war ich ja 19 Jahre alt in der Handelsschule in der Oberstufe und habe vom Leben noch nichts gesehen. Da war ja noch gar nichts. Ich hatte noch nie eine Bewerbung geschrieben zu dem Zeitpunkt - gar nichts. Ich bin einfach zum Casting gegangen und zu einer Audition. Ich habe für West Side Story vorgetanzt und habe den Job gekriegt und habe eine Audition gemacht für VIVA. Damit war meine wirtschaftliche Existenz geboren.

 

Man kann jetzt sagen: Der Mola hat Glück gehabt oder er war übertalentiert oder der sah so gut aus - keine Ahnung! So fing mein Leben hier an und ich habe das erst kennengelernt, da war ich auch erstmal unbekannt. Ich habe dann bei einem Sender moderiert, den keiner sehen konnte auf Eutelsat. So. Von Eutelsat auf Astra, von Astra ins Kabelnetz und dann mit der zunehmenden technischen Erweiterung und Empfangbarkeit von VIVA.tv wuchs ja auch meine Bekanntheit. Das ging ja nicht schlagartig über Nacht, es hat gedauert.

 

Wir haben Ende ‘93 im November das Moderieren angefangen bei VIVA und habe da mein kleines Gehalt bekommen, was ja schon stattlich war für mich als kleiner Junge. Ich war 19, ich habe da noch nie Geld verdient und dann sagen die auf einmal “Mola, Du kriegst jetzt hier jeden Monat 4.000 Mark auf Dein Konto überwiesen”, ich glaube es waren 4.000 oder 4.500 D-Mark. Ich hatte ja ein Sparbuch, ich hatte gar kein Konto. Ich habe gedacht wo soll ich denn das ganze Geld hinpacken??

 

Ich bin ja damals so mit 150 D-Mark ausgekommen. 4.500??? Ich bin durch die Stadt gelaufen, ich bin nach Karstadt rein und habe gesagt “Ihr stieres Gesindel, was soll’s? - Ich kaufe alles!”

 

Norman: (lacht)

 

Mola: Klar, da war die Welt für mich natürlich in Ordnung, war alles super. Dann haben sie gesagt: Hier kannst Du noch moderieren, dann kriegst Du nochmal 6.000 Mark. Wasss??? Ja. Das war was ganz anderes. Da hat man nicht an Markenbildung gedacht. Da hat man alles mitgenommen, alles mitgemacht, was geht. Und die zehn Jahre bei VIVA sind wie im Flug vergangen. Ich glaube, ich bin irgendwann nach sechs Jahren aufgewacht und habe gesagt Okay, die Reise ist schön, die ist toll, aber die geht jetzt auch irgendwann dem Ende zu. Du bist jetzt sechs Jahre bei VIVA und in zehn Jahren musst Du gucken, dass Du auf eigenen Beinen stehst.

 

Deswegen habe ich immer nebenbei Unternehmen gehabt, mich an Unternehmen beteiligt, weil ich wusste, ich möchte mich nicht alleine auf meine künstlerische Arbeit verlassen. Theoretisch gesehen könnte ich auch heute noch von dem Leben, was ich als Künstler verdiene. Ich nutze das auch, ich lebe ja davon, aber das ist für mich die Freiheit zu sagen, ich kann jetzt zum Beispiel meine neue Firma aufbauen, ohne dass ich mir da ein Gehalt zahle oder da das Geld rausgeht, sondern das alles zu 100% in die Firma reingeht.

 

Norman: Kannst Du vielleicht den Zuhörern bei uns einen Tipp mit auf den Weg geben? Jetzt ist hier nicht jeder der zuhört 20 Jahre alt, ist aber vielleicht trotzdem in der Position einer Führungskraft oder selber Unternehmer, hat das Thema Marke mit seiner eigenen Persönlichkeit vielleicht gar nicht so auf dem Schirm gehabt oder vielleicht auch verdrängt oder so. Kannst Du Tipps geben, wie ich mich heute als Marke sichtbar machen kann?

 

Mola: Heute kann man sich ganz einfach als Marke sichtbar machen durch die sozialen Netzwerke. Als Geschäftsmann ist natürlich LinkedIn, Xing, aber auch ein vernünftiges Facebookprofil oder ein Profil, was einen als Unternehmer darstellt oder eine Internetseite, die einen als Unternehmer darstellt, sind schon positive Dinge, die darauf einwirken, dass man bei Google-Ergebnissen gut darsteht. Man muss wissen, dass jeder Mitarbeiter - wenn ich einen Mitarbeiter einstelle, dann google ich den und wenn ich natürlich sehe mit einer Bierflasche am Hals am Wochenende, dann ist natürlich klar, dass ich dann skeptisch werde und sage “Pass mal auf Kollege, wir müssen mal sprechen.” Oder wenn er nur irgendeinen Schweinkram macht und auf irgendwelchen Portalen unterwegs ist, die mir da nicht passen. Da muss man wirklich aufpassen, dass wir heute sehr, sehr gläsern sind.

 

Wir würden ja auch niemals unsere Bankdaten rausgeben oder niemand mag sagen, wo er wohnt, aber bei Facebook posten wir jeden Standort Heute im Eiscafé soundso - Klick. Jeden Standort markieren, am besten noch Apple Friends einstellen - Okay, da sind meine Freunde in der Nähe. Das ist für jeden Verbrecher super, wenn ich sehe, dass Du gerade in Urlaub fährst und drei Wochen weg bist. Wenn ich jetzt weiß, wo Du wohnst, was Du schon 17 Mal gepostet hast und dann auch noch öffentlich, dann trete ich bei Dir einfach die Türe ein und räume alles raus. Das ist einer Kollegin, die bei mir im Büro sitzt passiert. Die hat extrem teure Klamotten, nur Chanel-Taschen und von jeder Nobelmarke die Brille. Die sagt “Ich bin vier Tage in Urlaub gefahren und die sind bei mir eingebrochen und haben alle meine Klamotten geklaut”.

 

Das heißt, sie wussten genau, die sieht sehr gut aus. Die wussten genau, sie hat immer Markenklamotten an. Die wussten genau, sie ist in Urlaub. Die sind dahin gegangen und haben es alles ganz entspannt zusammengepackt und rausgeräumt. Sie haben nichts schmutzig gemacht, sie haben einfach jede Chanel-Tasche, jede Gucci-Brille, jede Rolex, jede Dior die sie hatte, alles mitgenommen. Das war ganz klar ein Bruch, nur um an ihre Klamotten zu kommen.

 

Dann sagt sie: “Wie haben die das gewusst?”, dann sage ich: “Weil Du es 17 Mal bei Facebook geteilt hast”, nach dem Motto Yeah, vier Tage Ibiza, hoch die Hände. Dann musst Du Dich nicht wundern.

 

Norman: Ja, okay, das sind Facebook oder generell Profile in den sozialen Netzwerken. Davon wirst Du aber nicht bekannt. Das teilst Du vielleicht Deinen 10, 20, 50 Freunden mit und dann hast Du schonmal eine kleine Audience, aber wie geht es dann weiter? Wie schaffe ich wirklich Sichtbarkeit?

 

Was ich super spannend fand in unserem Vorgespräch war: Ich war echt überrascht, wieviel Kompetenzen Du zum Thema neue Medien, digitale Medien, sozialen Medien, hast. Das fand ich echt beeindruckend. Ist es wirklich so, dass man sich heute damit mehr oder weniger professionell auseinandersetzen muss, wie das funktioniert in dieser digitalen, virtuellen Welt?

 

Mola: Natürlich. Ich kann Dir offen und ehrlich sagen, dass ich fit bin, was Facebook anbelangt. Da kann ich Firmen beraten. Instagram, was noch einfach ist, aber da hört es dann auch schon auf. YouTube und Pinterest und Snapchat, da sind dann schon Bereiche, wo ich noch nicht firm genug bin. Wenn man kann, dann klipp und klar sagen: “Papa, ich möchte ein Social Media Star werden”. Und dann ist das genau so sinnhaltig, wie “Papa, ich möchte Bankkaufmann werden”.

 

Beide Dinge sind wahrscheinlich gleich schnell und gleich schwierig zu erreichen. Man muss für beide Sachen lernen; man muss für beide Sachen investieren. Wobei ich sagen würde, zum Social Media Star zu werden, ist fast noch einfacher. Ein ganz einfaches Beispiel: Du möchtest jetzt Follower haben bei YouTube. Du kannst einigermaßen singen. Du coverst einen Justin Bieber-Song, markierst Justin Bieber auf diesem Song. Du markierst alle Justin Bieber-Fanpages auf diesem Song und sagst, Du bist ein großer Justin Bieber Fan und singst einfach. Was passiert jetzt? Es passiert automatisch, dass Du diesen viralen Spillover-Effekt hast. All diese Justin Bieber Fans, die Fangruppen, all diese Leute finden dieses Cover vielleicht sogar gut und teilen das noch. Und schon wächst Deine Zielgruppe. Das hat Dich jetzt noch nichts gekostet; Du hast noch kein Geld in die Hand genommen; Du hast keine Werbung geschaltet, gar nichts. Du hast einfach nur geschickt etwas gemacht. Das nächste Mal coverst Du einen Song von Robbie Williams, markierst Robbie Williams darauf und, und, und.

 

Und so kannst Du Dir selber eine Community zusammenbauen, die dann irgendwann sagt: Ach guck mal, der covert immer gute Songs und das und das und das ist voll interessant. Ein Teil wird abspringen, die wollen nur Justin Bieber hören - 30%. Die anderen wollen nur Robbie Williams hören, aber andere finden Dich dann einfach gut und so hast Du von diesen 1.000 Menschen, die Du umsonst bekommen hast, die ja einen Wert haben von mindestens 1.000 Euro, da hast Du jetzt einfach mal 500 Euro umsonst bekommen. Die sind jetzt bei Dir, das sind jetzt Deine.

 

Norman: Ja, sehr stark - ich kann nur nicht singen, ich kann sprechen. Was kann ich machen? (lacht)

 

Mola: Bei Dir ist das genau das Gleiche. Es gibt jetzt erfolgreiche Speaker und Du machst mal ein Interview mit denen beispielsweise. Das ist ja klassisches Influencer-Marketing.

 

Norman: Ja, genau.

 

Mola: Du suchst Dir jetzt Leute mit einer hohen Reichweit von GZSZ nicht so, aber viele, die jetzt bei Köln 50667 sind, viele die bei Berlin - Tag und Nacht sind, haben eine sehr hohe Internet-Reichweiten. Sarah Joleen ist beispielsweise eine ganz erfolgreiche Bloggerin, Modebloggerin und Du machst Interviews mit denen. Das bedeutet ja automatisch… Du weißt ja, wenn die 400.000 Fans hat und Du ein Interview mit ihr machst - was wird passieren? Dann garantiere ich Dir, Du hast 4.000 Hörer mehr. 4.000 Hörer hast Du auf alle Fälle. Das kann man ja vorher ausrechnen.

 

Und wenn Du jetzt Deine Podcasts mehr danach ausrichtest, dass Du Leute mit einer hohen Social Media Reichweite für Deine Podcasts gewinnst, dann wirst Du erfolgreicher. Das ist ganz klassisches Influencer-Marketing. Das machen wir. Das ist das, weswegen ich angetreten bin. Mit dem Know-How berate ich Companies, mit dem Know-How berate ich Marken. Lasst Eure Marke von einem Netzwerk von Influencern vermarkten. Es gibt große Firmen, die das professionell machen; die haben halt die Rocco Starks und Gina Hegers und Kim Gloss dieser Welt unter Vertrag und die halten dann einen Labello hoch und dann mal eine Wimpernverlängerung oder eine Haarverlängerung. Da sieht man doch, dass diese Leute, die zwar einen hohen Bekanntheitsgrad haben im Social Media, aber kein Geld verdienen, die halten sich mit diesen Dingen über Wasser.

 

Das Affiliate-Marketing ist natürlich auch auf die zugekommen. Poste diesen Affiliate-Link und Du verdienst Geld. Und diese Leute, die Influencer mit der Reichweite, können ihre Reichweite jetzt vergolden. Viele wissen noch nicht, wie das funktioniert. Viele kommen auch zu mir Mola, wie geht das? Dann sage ich denen das. Manchmal verdient man was, manchmal auch nicht, aber dann sind sie ja weg und dann haben die ein Geschäftsmodell für sich entwickelt und entdeckt. Und das ist diese ganz neue interessante Welt, auf die wir uns einstellen müssen, auch als Mediaagenturen. Dass es jetzt tatsächlich dieses klassische Influencer-Marketing gibt. Das Internet ist ein riesen Kosmos mit Möglichkeiten, aber wenn Du Deine Community hast, hast Du kleine Länder geschaffen und da kannst Du den Leuten Geld abnehmen, um dann Eintritt zu gewähren: Hör mal zu, hier sind meine 100.000 Menschen. Auf die kannst Du jetzt zugreifen und denen kannst Du was erzählen.

 

Norman: Was ich da immer super wichtig finde ist, so gesehen bist Du ja jetzt mein Influencer, Mola.

 

Mola: Ja.

 

Norman: Ich bin echt mal gespannt, wie die Zahlen nach oben schnellen (lacht).

 

Mola: Ich kann Dir sagen, es wird nett sein, aber es wird keine Explosion sein, weil ich im Social Media nicht die Reichweite habe, wie jetzt beispielsweise in den klassischen Medien. Man muss da ja mal ehrlich sein. Wenn ich jetzt als Mola Adebisi irgendwo zu einer Premiere gehe, dann fotografieren die mich und sagen: Okay, das ist der Mola Adebisi, kennen wir. Dann kommt das Foto und dann verbreitet sich das im Internet oder bei Promiflash oder so. Aber meine Community hat eine Reichweite von sagen wir mal - wenn ich das jetzt bei mir poste auf beiden Seiten - vielleicht 15.000 - 25.000 Leuten. Die kann ich so mit meinen Möglichkeiten, ohne dass ich jetzt einen Cent in die Hand nehme, erreichen - rein viral, ohne dass jetzt ein Effekt da ist, dass das einer repostet.

 

Norman: Was ich eigentlich sagen wollte war, dass ich aus unserem Vorgespräch einfach auch gesehen habe, dass Du wirklich was zu erzählen hast und das finde ich ja wiederum spannend, weil wir sind eigentlich eher zufällig aneinander gekommen.

 

Mola: Ja, genau.

 

Norman: Ich habe Dich gar nicht direkt angesprochen, sondern…

 

Mola: Jessica Rohrmoser hat mich vorgeschlagen.

 

Norman: Genauso ist es. Und das ist einfach wieder mal so ein Zufall, wie Dinge aneinander kommen; wie Dinge zusammenkommen, aber ich fand es einfach super spannend zu erfahren, was hast Du zu sagen? Und wenn jemand was zum Thema Marke, gerade in der Öffentlichkeit sagen kann, auch mit den ganzen Schmerzen, die auch damit verbunden sind und das darf man einfach nicht hinter’m Berg halten. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Sobald man sichtbar wird, gibt es einfach die Leute, die einen nicht mögen. Das ist wie im richtigen Leben auch.

 

Mola: Wie gesagt, das ist ein Zerrbild des Social Media. Die reelle Welt, wenn Du raus gehst auf die Straße, ist ja immer sehr positiv. Ich würde jetzt sagen, an 365 Tagen erfahre ich ein, zwei negative Reaktionen. Also sind 98% der Menschen, die auf mich zukommen, positiv. An der Tankstelle wollen sie ein Autogramm haben, ein Bild machen, mich mal in den Arm nehmen - da ist ja alles dabei. Oder mal ein Küsschen geben und, und, und halt mal mein Baby im Arm und wir machen ein Foto davon und, und, und. Das ist ja alles immer sehr positiv.

 

Im Internet ist das anders. Es springen dann ja auch alle mit drauf. Einer macht einen negativen Post und es springen alle drauf, aber das ist ein Zerrbild und damit muss man ja auch leben können, weil wenn man sich diesen Beruf ausgesucht hat, muss man ein gewisses dickes Fell mitbringen.  

 

Norman: Das muss man aushalten können, ne?

 

Mola: Es gibt viele die ausbrennen, die damit nicht zurechtkommen und ich kann auch verstehen wieso, weil so ein Shitstorm und ich hatte in meinem Leben nur einen - zum Glück -, das ist grausam. Das ist schon wirklich so, dass man an sich selber zweifelt und wenn sich dann jemand deswegen umbringt oder so - nicht, dass ich das gutheiße -, aber ich kann es nachvollziehen, weil Dein ganzes Ich wird ja infrage gestellt.

 

Ich bin jemand der sagt, ich mache seit 22 Jahren TV und habe mir von den 200.000 Dingen die ich gemacht habe, vielleicht 5 Fehlgriffe erlaubt. Die Quote ist super. Mach weiter so, Mola, alles okay. Von daher mache ich mir da nicht so den Kopf. Ich habe auch den Luxus, dass ich sagen kann, ich brauche das Fernsehen nicht, um zu leben. Ich würde gerne Fernsehen machen, klar. Mir lag mein Automagazin bei N24 sehr am Herzen, weil ich habe es selber produziert, selber moderiert, habe alles selbst gemacht. Das war mein Baby. Aber damit habe ich auch kein Geld verdient. Da habe ich eher 150.000 Euro verloren. Trotz alledem war mir das sehr wichtig, weil das war eine Sache mit sehr großem Potenzial, was sehr groß oder größer hätte werden können. Das muss man immer so sehen: Das sind Investitionen, die man tätigt. Manche gehen sehr gut, manche gehen weniger gut und manche gehen halt gar nicht. Aber am Ende des Tages, unter’m Strich, solange Deine schwarze Null steht, ist alles gut.

 

Norman: Was tust Du, um Dich mental zu stärken?

 

Mola: Ich glaube gar nichts. Ich glaube, ich habe das Glück, dass meine Mutter mich so super zusammen gekocht hat.

 

Norman: (lacht)

 

Mola: Ja, ganz ehrlich, man sagt das immer so. Ich habe viele Freunde verloren, weil die irgendwann eine Angststörung gekriegt haben. Ich habe auch mal eine Beziehung gehabt mit einer Dame, die eine Angststörung bekommen hat und ich weiß, wie das ist und das ist eine Krankheit, die man wirklich ernst nehmen muss. Gerade Burnout ist ja heute ein Symptom, was so modern geworden ist, aber ein Burnout ist keine Krankheit, sondern das sind ja Depressionen. Das nennt man ja so schick Burnout, was besser klingt Ach ich habe Burnout. - Nee, Du hast Depressionen! So. Das ist eine schlimme Sache und da bin ich froh und glücklich und bete zu Gott jeden Tag, dass mir das erspart bleibt. Wenn ich hinfalle, dann stehe ich einfach wieder auf.

 

Norman: Ja puh, das ist ein guter Satz. Absolut, das ist es, immer wieder aufstehen.

 

Mola: Genau.

 

Norman: Mola, ich schaue auf die Uhr, wir sind fast eine Stunde hier am quatschen; voll überzogen, aber ich habe dennoch eine kleine Quick Q&A-Session mit Dir vor. Ich stelle Dir jetzt ein paar Fragen hintereinander und Du antwortest ganz spontan aus dem Bauch heraus. Dann starten wir auch gleich: Was hat Dich anfangs davon abgehalten, Dich als Marke zu positionieren oder als Marke zu verstehen?

 

Mola: Weil ich mich nie als Marke gesehen habe. Ich bin ja einfach nur der Mola aus Solingen.

 

Norman: Wenn die Leute an Dich denken: Was ist das eine Wort, wofür Du selbst als Marke bekannt sein willst oder schon bist?

 

Mola: Geht bei mir sehr schwierig, weil es viele Dinge sind, aber ich glaube zurzeit ist es der Mola aus den 90ern oder der VIVA-Mola.

 

Norman: (lacht) Sehr cool. Welcher Moment oder Rat hat einen besonders nachhaltigen Einfluss auf Dein heutiges Leben oder auf Dein Business?

 

Mola: Ich glaube, ich hatte mal einen sehr guten persischen Freund, der gesagt hat: Man muss immer Business machen und man muss immer schlau sein und seitdem habe ich angefangen, Geschäfte zu machen. Das war diese Initialzündung, als er gesagt hat: Man muss immer schlau sein. Man muss immer Business machen. Das habe ich immer getrennt gesehen: Freundschaft und Geschäft. Und Geschäft als eigene Philosophie für sich wahrgenommen.

 

Norman: Cool. Kannst Du uns eine spannende Internetressource oder ein Tool nennen, was Du selbst einsetzt?

 

Mola: Ja gut, natürlich benutze ich Google. Ansonsten ist für mich das Spannendste Amazon Seller, also alles was mit SEO Analytics zu tun hat. Im Grunde genommen ist das größte Tool, was ich nutze ist tatsächlich Google, um dieses riesen Archiv, diese Bibliothek zu nutzen und mir das zu eigen zu machen.

 

Norman: Welche drei Mobile Apps benutzt Du am liebsten? Was ist auf Deinem Startscreen?

 

Mola: Mobile, Immobilienscout und Facebook.

 

Norman: Letzter Klassiker: Welche Musik hörst Du gerne, die Dich inspiriert und auf neue Ideen bringt?

 

Mola: Soul, R&B, Urban. Da kann man, wenn es ein bisschen Swingy ist, die Sachen aus den 90ern: Musiq Soulchild, Erykah Badu, Alicia Keys. Das sind so Dinge, die mich motivieren und die ich auch manchmal anhöre, wenn ich in meiner Denkphase bin.

 

Norman: Sehr cool. Kannst Du uns noch ein Buch empfehlen, welches für Dich einen großen Mehrwert hatte? Wie heißt das Buch und worum geht es in diesem Buch?

 

Mola: Ich lese sehr viele Bücher, aber einen Mehrwert hatte… Eine Initialzündung war für mich tatsächlich “Das Schweigen der Lämmer”. Ich habe das Buch gelesen und in dem “Schweigen der Lämmer” hat sich zum ersten Mal für mich dargestellt, dass man mit einer überlegenden Intelligenz eigentlich alles möglich machen kann. Dass Wissen Macht ist. Und vor allen Dingen, dass man durch seine Emotionen sehr oft blind ist und wenn man das loskoppelt und simplifiziert, dass viele Dinge ganz klar werden. Das habe ich von dem verrückten Hannibal Lecter gelernt, weil er keine Emotionen hatte, ein Soziopath war, aber viele Dinge deswegen auch so klar gesehen hat, wie sie sind und nicht sie durch eine Rosa Brille gesehen hat. Das versuche ich auch, ohne den Psychopath natürlich, Dinge emotionslos zu betrachten, um mir und anderen zu helfen.

 

Norman: Sehr cool. Mola, kannst Du uns zum Schluss noch einen Tipp mit auf den Weg geben und wie wir Dich am besten erreichen können?

 

Mola: Ach, einen Tipp… Wenn man mich am besten erreichen möchte, dann gibt man einfach Mola Adebisi bei Facebook ein, dann findet man mich oder bei Instagram. Ich poste immer lustige Sachen. Ich nutze das ja lustigerweise nicht geschäftlich, sondern wirklich nur privat. Wer den privaten Mola kennenlernen will, der muss mir einfach nur eine Anfrage schicken.

 

Norman: Sehr cool! Und noch einen Tipp zum Thema “Werde selbst zur Marke. Setze als Marke ein Zeichen”?

 

Mola: Wer selber zur Marke werden möchte in Social Media, der muss sich zunächst einmal damit beschäftigen, wie die Ansprache im Social Media ist. Und wenn er das verstanden hat, dann würde ich den meisten Leuten den Tipp geben, je nachdem, auf YouTube anzufangen, weil YouTube am Einfachsten ist und weil dahinter ein Geschäftsmodell steckt. Erreichst Du die 10.000 Likes, dann kannst Du damit Geld verdienen. Das ist einfach nur Fleißarbeit.

 

Norman: Sehr cool. Mola, ich danke Dir vielmals für Deine Zeit, für Deine Ausdauer, für Deine Geduld, Flexibilität (lacht)

 

Mola: Danke!

 

Norman: … und den wertvollen Input in diesem Interview und ich freue mich, wenn wir in Verbindung bleiben.

 

Mola: Das machen wir auf alle Fälle!

 

Norman: Ja, schön, vielen Dank, bis bald!

 

Mola: Bis bald, ciao!

 

Norman: Ciao!

 

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