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Kurzportrait von Dr. Anton Angerer

  • Dr. Anton Angerer hat an der Universität Karlsruhe Ingenieurwissenschaften studiert
  • Er hat später berufsbegleitend an der TU Graz promoviert (Cum Laude)
  • Seine Karriere begann er in der Unternehmensberatung Accenture
  • Danach folgten leitende Vertriebspositionen bei den weltweit führenden Automobilzulieferern Magna, Faurecia und Delphi.
  • Seit Dezember 2014 Bereichsleiter Sales & Marketing bei Hemmelrath Lackfabrik
  • Seit 1. Januar 2016 ist Dr. Anton Angerer neuer kaufmännischer Geschäftsführer der Hemmelrath Lackfabrik

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Podcast in Textform

Norman: Herzlich willkommen! Schön, dass ihr wieder reinhört. Hier ist Norman von MARKENREBELL.FM. In meinem heutigen Interview spreche ich mit Dr. Anton Angerer über das Thema Familienunternehmen Hemmelrath und der Markenlack in digitalen Zeiten.

Anton, vielen Dank für Deine Zeit! Schön, dass Du direkt zu uns hier ins Podcast-Studio in Amorbach gekommen bist. Schön, dass Du da bist!

Anton: Danke für die Einladung! Freut mich sehr!

Norman: Sehr gern! Lass mich gerne eine paar Worte über Deine Person verlieren: Anton, Du bist in Mexiko geboren, 47 Jahre jung, verheiratet, zwei Kinder - eins mehr als ich. Vorsprung! (beide lachen)

Du hast an der Universität in Karlsruhe Ingenieurwissenschaften studiert.

Anton: Ja, Wirtschaftsingenieur.

Norman: Wirtschaftsingenieur, genau. Und später berufsbegleitend an der Technischen Universität Graz promoviert.

Anton: Richtig.

Norman: Du hast u.a. für die Unternehmensberatung Accenture gearbeitet. Es folgten wichtige Führungspositionen bei den weltweit führenden Automobilzulieferern und ab Dezember 2014 hast Du die Verantwortung für die weltweiten Vertriebs- und Marketingaktivitäten von Hemmelrath Lackfabrik GmbH übernommen und bist seit 1. Januar 2016 kaufmännischer Geschäftsführer.

Anton: Richtig.

Norman: Für alle die die es nicht wissen: Die Hemmelrath Lackfabrik GmBH beliefert Premium Hersteller wie z.B. Audi, Lamborghini, DaimlerChrysler, Porsche, Volvo, etc., etc. Aber da hören wir wahrscheinlich von Dir jetzt gleich noch ein bisschen mehr.

Anton, damit Dich unsere Zuhörer noch ein bisschen besser kennenlernen, erzähl’ uns doch vielleicht ein bisschen mehr über Dich als Privatperson. Wer ist Dr. Anton Angerer privat und was genau Dein Business ist.

Anton: Okay, eigentlich hast Du schon fast alles erzählt. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder. Meine Familie hat bis jetzt in Wien gewohnt. Wir sind jetzt umgezogen und seit Sommer dieses Jahres sind wir hier im Raum Main ansässig und sind dabei, uns hier einzuleben. Das ist momentan mein Hauptjob. Ich bin auch sechs Jahre lang gependelt, das heißt, ich bin momentan in der Familienselbstfindung. Man führt ein ganz anderes Leben, wenn man von Montag bis Freitag nur für den Job da ist und am Wochenende die Familie hat. Das sind zwei getrennte Welten. Die bringe ich momentan zusammen.

Wie Du schon erwähnt hast, komme ich aus ganz großen Unternehmen. Ich hatte Verantwortung für sehr viele Leute, sehr große Organisationen und die meisten davon waren börsennotiert mit einer ganz anderen Denke und jetzt bin ich hier in einem Familienunternehmen. Das ist eine ganz andere Welt. Das hat ganz andere Prioritäten und auch ganz andere Dimensionen mit allen unterschiedlichen Anforderungen, die dazu gehören.

Das sind also die zwei Sachen, die ich momentan versuche zusammenzubringen und um einen Ausgleich zwischen den beiden Herausforderungen zu haben, versuche ich sehr viel Sport zu machen. Das ist so meine jetzige Situation.

Norman: Was machst Du für Sport?

Anton: Ich laufe sehr viel und habe jetzt angefangen Triathlon zu machen, aber keinen Iron Man, sondern wirklich nur ein bisschen zu laufen. Ich habe mir das Schwimmen beigebracht - also, das richtige Schwimmen - und fahre ein bisschen Fahrrad. Das versuche ich einfach als Ausgleich zu machen, aber nur kurze Strecken.

Norman: Das ist in der Gegend hier perfekt.

Anton: Ja, das ist perfekt.

Norman: Aber das ist glaube ich schon ein harter Kontrast von Wien und dann hier in unserer Ecke im schönen Odenwälder Berg.

Anton: Ja genau. Wir waren vorher in Wien und ich habe in Wien gelebt und dort auch gearbeitet und danach war ich in Paris und in Wuppertal/Düsseldorf - also, lauter große Städte und es ist eine ganz andere Welt. Auch von den Unternehmen her ist es ganz anders. Das ist ein Kontrast und da hat sich mein Leben und die Umgebung komplett verändert in kurzer Zeit.

Norman: Sehr cool. Anton, ich starte meine Interviews immer mit einem Erfolgszitat. Gibt es ein Erfolgsmantra, einen Glaubenssatz, der Dich in Deinem Leben schon länger begleitet oder was Dich vielleicht auch beim Sport motiviert?

Anton: Es ist nicht so sehr ein Erfolgsmantra, aber was für mich schon sehr bezeichnend war und das hat mir irgendwann mal jemand gesagt, war  - es ist nicht besonders originell, aber - ist “love it, change it or leave it”. Das ist etwas, was mich auszeichnet oder was mich immer wieder zum Denken anregt. Ich habe einiges mitgemacht; ich habe auch einige Unternehmen gewechselt; einiges ausprobiert und das war immer die Motivation, wenn ich gedacht habe “Das ist es nicht. Dann muss ich etwas ganz anderes machen”. Das war letztendlich auch die Motivation von Großkonzernen in eine ganz andere Welt zu gehen. Weil ich habe soviele Sachen gehabt, wo ich gemerkt habe, dass ich das nicht verändern kann. Das macht mich unglücklich, ich kann es aber nicht beeinflussen. Dann muss ich etwas ganz anderes machen und das ist, was mich beruflich sehr stark treibt.

Norman: Was hat Dich letztendlich zu der Entscheidung bewogen, in ein Familienunternehmen zu gehen. Wie Du ja selber sagst, es sind ganz andere Prozesse, ganz andere Kommunikationswegen. Alles wird irgendwie viel enger…

Anton: Ja, letztendlich ist was ich wirklich genieße und das war meine Hoffnung und das hat sich wirklich als wahr herausgestellt, dass man viel mehr beeinflussen kann. Im Konzern ist man so gebunden. Da gibt es so viele Sachen, die vorgegeben sind, alleine wegen der Größe, aber da spielt das Thema Politik eine große Rolle und es ist alles sehr intransparent. Man steht so oft vor der Situation, dass man weiß, man könnte Sachen grundsätzlich anders machen und es ist nicht mal klar, mit wem man sprechen muss, um das zu verändern. Und das ist jetzt ganz anders. Ich habe einen Co-Geschäftsführer, der eher den technischen Part macht und wenn wir zwei etwas wollen, dann gibt es nur die Eigentümer und dann machen wir es einfach. Und das ist genial. Es ist wirklich ein riesen Unterschied und es macht viel mehr Spaß.

Norman: Da ist wahrscheinlich die Agilität und die Geschwindigkeit der Knackpunkt.

Anton: Ja, unbedingt. Was man als einzelne Person verändern und beeinflussen kann, das ist unglaublich in so einer kleinen, flexiblen Welt. Das ist ein riesen Unterschied, ja.

Norman: Ja, schön. Vielleicht noch mal einen halben Schritt zurück zu Deiner Person. Wir lernen immer von Ereignissen im Leben, die vielleicht nicht immer die großen Erfolge sind, sondern wo man es vielleicht auch ein bisschen schwer hatte. Gab es so einen Moment in Deinem Leben, wo Du gesagt hast “Das war für mich ein Moment, aus dem habe ich aber ein ganz wertvolles Learning ziehen können”?

Anton: Ja, unbedingt. Ich war bei einem großen Automobilzulieferer tätig, der extrem auf Börsen- und Kurspflege ausgerichtet war und ich habe es von Anfang an nicht gut gefunden. Ich habe darunter gelitten und mich nur noch geärgert, darüber wie man nur zahlengetrieben irgendwelche Entscheidungen treffen kann. Ich habe bei meiner ganzen Arbeit wirklich einfach nur gedacht “Okay, ich stehe das durch”, aber es war eine einzige Quälerei.

Jetzt im Nachhinein, nachdem ich jetzt Geschäftsführer bin, habe ich so viele Erfahrungen gesammelt, positiv wie negativ. Es gibt so viele Sachen, die die Amerikaner gemacht haben, wo ich gedacht habe “Das gibt’s doch gar nicht. Die können doch nicht wirklich so blöd sein!” Die haben zum Beispiel irgendeine Umsatzzahl jeden Tag angeschaut und es gab jeden Morgen um 7 Uhr einen Call und da haben sie die gleiche Zahl angeschaut. Und in der Automobilwelt verändern sich Umsatzzahlen in der Projektion nicht so sehr. Aber der hat uns dazu gezwungen, dem CEO jeden Tag die gleichen Zahlen durchzugeben und hat uns jeden Tag beschimpft, wieso wir die Zahlen nicht bewegen, weil er seine Quartalszahlen erreichen wollte. Irgendwann hat sich doch hier und da etwas bewegt, einfach nur durch Fokus und Druck habe ich gelernt, dass ich in bestimmten Situationen wirklich noch etwas bewegen kann. Das ist nichts, was man ständig machen kann, aber da sind wir Europäer so, dass wir denken “Da geht gar nichts mehr”. Und da habe ich zum Beispiel die Erfahrung gemacht, wenn man ständig dran bleibt und sich das anschaut, bewegen sich manche Sachen doch.

Das sind so viele Sachen, die ich wirklich nur negativ gespeichert hatte in meinem Kopf. Und wenn ich jetzt manche schwierigen Momente sehe, dann sage ich “Lasst’ uns das mal anschauen, wie haben wir das da gemacht und adaptiert”, dann stelle ich fest “Mann, das waren doch sehr wertvolle Erfahrungen” und ich wäre wahrscheinlich durch so manche Krise nicht so gut durchgekommen, wenn ich diese Erfahrung nicht gemacht hätte, die ich damals nur als negativ eingestuft hatte.

Norman: Ja, das ist ein super wichtiger Moment einfach auch. Das ist diese Beharrlichkeit und ich glaube das ist auch letztendlich das, was Unternehmertum auch ausmacht, um Dinge zu bewegen und sich nicht einfach enttäuschen zu lassen oder auch nicht abzuwarten, sondern einfach zu machen, ja. Super cool!

Ich will mit Dir noch einmal zurück an den Moment, wo Du dann die Entscheidung getroffen hast. War das ein Prozess oder war es dann so ein Schlüsselmoment, ein Aha-Moment, wo Du gesagt hast “Bis hierher und nicht weiter, ich muss jetzt etwas ändern”?

Anton: Das war ein Prozess. Es gab einen auslösenden Moment und da kam ein Headhunter auf mich zu in dem Zusammenhang. Er hat mir eine Vorstellung gemacht, die überhaupt nicht mit meiner Welt zusammen gepasst hat. Also, in dem Fall jetzt so ein kleines Familienunternehmen zu führen. Da habe ich gedacht “Hast Du meinen Lebenslauf gesehen? Ich meine, das passt hier alles nicht. Wie kommst Du auf mich?” Aber da war die Bereitschaft und ich habe gesagt “Ich schaue mir das mal an”. Und dann war ich hier das erste Mal in Klingenberg und dann habe ich gedacht “Oh, oh, das ist nicht Deine Welt”, aber dann habe ich irgendwann gedacht “Versuche es mal und lass Dich auf das Ganze ein” und dann hat es auf einmal angefangen, sehr viel Sinn zu machen. Aber es gab nicht dieses “Okay, ich muss jetzt vom Großkonzern in ein Familienunternehmen”. Den Punkt gab es noch nie. Das hat sich so ergeben und wunderbar funktioniert, ja.

Norman: Ja, und das ist ja auch ein riesen Wert, den Du mitbringst. Aus dieser Großindustrie zu kommen und einem Familienunternehmen zu helfen.

Anton: Ja, das ist ein riesen Wert, aber auch eine riesen Belastung. Am Anfang musste ich mich jeden Tag erklären. Ich glaube, das Wort Konzern habe ich in den ersten Monaten meiner Karriere hier im Familienunternehmen alle zwei Tag gehört, weil mir Leute erklärt haben “Das funktioniert hier nicht. Wir sind kein Konzern” und bei fast allem was ich gesagt habe, haben die Leute gesagt “Oh, das ist typisch Konzern”. Aber mittlerweile sind wir von beiden Seiten sehr gut zusammen gekommen.

Norman: Wie wichtig ist im Rückblick diese andere Sichtweise, die Du ja mitgebracht hast?

Anton: Unbedingt, das ist total wichtig. Man muss aber die Flexibilität haben, das anzupassen. Also, einfach nur anders zu sein, das bringt gar nichts. Ich glaube, das was ich jetzt in der Zeit hier gelernt habe: Man muss erkennen, was funktioniert und was funktioniert nicht. Und das könnte man so verändern, damit es funktioniert. Und das ist eine Fertigkeit, die man erstmal erwerben muss, weil einfach zu sagen: Ich mache das anders …

Ich bin ja auch nicht der erste Konzernmensch, der es hier versucht hat. Es sind vor mir etliche gescheitert, eben aus dem Grund, dass sie gekommen sind und gesagt haben: “Das funktioniert nicht. Das funktioniert anders und wir müssen es einfach anders machen, weil Konzerne das so machen”. Damit will ich sagen, einfach nur anders zu sein, ist nicht genug. Man muss auch dieses Bewerten anwenden können.

Norman: Ja, schön, dass Du das sagst. Das Anderssein, da sind wir ganz schnell bei dem Thema Positionierung, Differenzierungsstrategie und wie positioniert man sich?

Anton: Genau.

Norman: Das was hier die ganze Zeit klingelt, ist ja Dein Handy. Das heißt, Du bist hier angerückt mit Smartphone und Tablet.

Anton: Ja.

Norman: Und das ist eine perfekte Überleitung - das kannst Du ruhig anlassen (beide lachen). Es ist eine perfekte Überleitung zum Thema Digitalisierung. Was bedeutet der Begriff für Dich persönlich? Wie hat sich Dein Kommunikationsverhalten, vielleicht auch mit Deinen Freunden, auch Geschäftspartnern verändert? Und welchen Einfluss hat das auch auf Eure Kommunikationsprozesse im Unternehmen?

Anton: Persönlich versuche ich so viel Technologie wie möglich zu benutzen. Ich versuche auch nicht zurückzufallen, wobei ich habe eine zehnjährige Tochter und ich merke, ich kann noch so sehr dran bleiben, aber die Technologie geht weiter und sie sind schon auf einer Stufe, wo ich sage “Okay, das ist mir fast zu viel”. Diese ganzen extremen Sachen, die die Kinder heutzutage machen. Aber wie gesagt: Digitale Kommunikation ist für mich alles, sowohl im Privaten, wie auch im Beruflichen.

In der Firma und gerade in unserer Firma sind wir noch vorsichtiger. Da benutzen wir nicht alle Möglichkeiten, die es gibt. Das Thema Sicherheit wird ganz anders bewertet und da sind Mittelständler vorsichtiger und risikoärmer als Großunternehmen - witzigerweise. Das habe ich am Anfang gar nicht verstanden, weil ich ja in Konzernen gearbeitet habe, wo teilweise wirklich vertrauliche Sachen behandelt werden. Wo das Thema Wettbewerb eine andere Dimension hatte; wo ich wirklich eher geglaubt hätte, dass andere Ressourcen abstellen und bei uns wirklich Industriespionage betreiben.

Ich habe für Firmen gearbeitet, die tatsächlich im High Tech Bereich und auch Verträge im Bereich Verteidigung waren, wo es wirklich Classified Projekte gab und trotzdem sind die mutiger gewesen, was die Kommunikation angeht. Das ist einer der Teile, wo der Deutsche Mittelstand eher darauf schaut und sagt “Brauchen wir das? Wollen wir da wirklich vorangehen?” Das macht die Kommunikation nicht immer einfach, aber die Welt zwingt uns dazu.

Wir haben jetzt so viel Geschäfte in China, in Mexiko, in den USA und da ist das Thema Videokonferenzen zum Beispiel etwas, wo wir uns vorsichtig herantasten und auch das Thema Cloud zum Beispiel, wo wir einfach nicht länger sagen können “Wir lassen alle Daten zusammen und gut geschützt”. Da zwingt uns einfach das Geschäft, uns wieder zu öffnen. Da sind wir sehr stark.

Aber das Thema soziale Medien, puh! Also, da prallen Welten aneinander. Da muss man noch alle überzeugen. Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

Norman: Ich glaube, das ist bei euch auch noch etwas Besonderes, weil ihr im B2B Markt unterwegs seid. Für Euch ist wahrscheinlich so eine Facebook Relevanz nicht so ganz gegeben, im Vergleich zu einem Unternehmen, das B2C aufgestellt ist.

Anton: Wobei bei uns gibt es dieses Thema War for Talent. Wir müssen es schaffen, wirkliche Talente reinzubringen, weil wir leben von der Technologie, aber Technologie ohne den Menschen ist das alles nichts. Und wir stehen jetzt auf einmal im globalen Wettbewerb. Das hat sich auch verändert. Ich meine, früher für jemanden aus der Region war es wahrscheinlich klar, dass er in der Region bleibt. Auch die jungen Menschen, die werden alle mobiler. Deswegen schauen wir auf ein anderes Talentpool und sind auch gleichzeitig im Wettbewerb mit ganz anderen Leuten. Da geht es nicht darum, dass es in der Region vier mögliche Arbeitgeber gibt, sondern den jungen Leuten steht heute die ganze Welt offen. Und so ein Thema wie “Wir sind nicht im Facebook” oder, das macht es uncool. Da müssen wir einiges machen, um diese Leute anzuziehen in der Zukunft.

Norman: Ja, ist das Thema Markenführung bei Euch Chefsache?

Anton: Ja, wobei momentan ist es Niemandensache. Also, das ist die Marke an sich. Ich meine, ich muss differenzieren: Wir sind ein Familienunternehmen und im weitesten Sinne ist es Chefsache, weil das ist auch eine sehr, sehr schöne Geschichte, die auch ich gelernt habe: Wie wertvoll die Marke im Sinne vom Familienname ist. Als ich Geschäftsführer wurde, hat der Eigentümer mir da wirklich eine sehr, sehr wichtige und beeindruckende Message gegeben, indem er mir das klar gemachte hat: Du gehst mit meinem Namen da raus. Deswegen möchte ich, dass alles was Du machst… das ist nicht so abstrakt, dass man Siemens oder so beschädigt und da ist eine Familie dahinter. Das ist eine Generation und die werden weiter mit diesem Namen leben. Und da ist es eine ganz andere Relevanz, was Marke angeht. Und man muss schaffen dieses Gefühl auf unser Produkt und auf unsere Strategie zu übertragen. Momentan ist es sehr abstrakt, es ist an die Familie gebunden. Und wir versuchen jetzt dieses Hemmelrath-Feeling auch auf die Firma insgesamt auszuweiten. Aber es ist momentan auf Eigentümer und die oberste Führung begrenzt.

Norman: Ja, Du hast gerade das Thema Name, Familienname, Familienunternehmen angesprochen: Wo siehst Du die Herausforderung, gerade in der internationalen Ausrichtung, das wirklich als Brand zu etablieren mit dem Thema Made in Germany?

Anton: Genau. Das ist in der Tat die Herausforderung, die wir momentan bewältigen. Unser Produkt, unsere Firma, das ist Deutscher Mittelstand, dieses Hidden Champion Image aus der Provinz mit High Tech, höchste Qualität. Nur ist es ein Produkt, das wir weltweit für unsere Kunden produzieren und das ist jetzt das Spannende. Wie schafft man das, wenn man Chinesen hat, die dieses Produkt dann irgendwo im Norden Chinas produzieren und trotzdem sich als Hemmelrath fühlen, unsere Werte teilen und diesen Qualitätsanspruch, diese Technologie zu schaffen, das ist momentan sehr, sehr spannend.

Und wir versuchen möglichst wenig mit Experts zu arbeiten, also wir schicken nur sehr wenige Leute zu Schulungen und versuchen in den Ländern tatsächlich lokale Leute zu finden und denen das Gefühl zu geben, was wir sind, wofür wir stehen. Diese Familienwerte weiter zu verstehen und zu leben, da sind wir dran und das ist ein sehr spannender Prozess.

Norman: Die Werte sind für mich auch immer das Fundament von allem. Von der inneren Haltung - ob ich jetzt Mitarbeiter eines Unternehmens bin oder auch das, was die Marke letztendlich kommuniziert oder ausdrücken soll. Was sind Eure Werte?

Anton: Ja, das ist sehr spannend, weil das mit den Werten war bisher eine sehr abstrakte Sache. Wir sind gerade in einem Prozess auch mit externer Hilfe, diese Werte erstmal auszuformulieren. Wir sind gerade mittendrin, hatten einige Vorbereitungen und Workshops und werden diese Werte im Sinne von “Hier, das sind sie und das bedeuten sie” erst jetzt kommunizieren.

Die Werte waren bisher eigentlich eher ein Gefühl und wir haben jetzt aber gelernt, dass das nicht genug ist, weil wir sind sehr stark gewachsen. Das war früher einfacher mit diesen Werten in Verbindung zu kommen, weil man direkt mit der Geschäftsführer oder mit dem Eigentümer zu tun hatte und dann hat man sie ja erlebt. Jetzt müssen wir ein Instrument schaffen, damit Leute, die auch nicht mit der Geschäftsführung oder mit dem Eigentümer in Kontakt kommen, auch die Möglichkeit haben, zu verstehen: Das ist was wir sind und so wollen wir unser Geschäft betreiben. Und deswegen sind wir in diesem Prozess, diese Sachen mal auf’s Papier zu bringen und dabei lernen wir auch sehr viel über uns, weil wir gleichzeitig versuchen nicht nur darzustellen, was wir in der Vergangenheit waren, sondern auch den Anspruch haben, zu modellieren was wir werden wollen. Das ist eine sehr, sehr spannende Geschichte. Da sind wir mittendrin.

Norman: Parallel dazu: Wie ist es mit der Agilität des Zusammenarbeitens? Wie schafft Ihr es oder ermöglicht Ihr den Mitarbeitern, dass sie wirklich flexibel arbeiten? Hat sich da etwas verändert in den letzten Jahren zum Thema Home Office oder Standortunabhängigkeit?

Anton: Ja, das ist wieder eines dieser Themen, wo wir wirklich noch einiges aufholen müssen. Wir sind sehr traditionell und auch ein produzierendes Unternehmen mit Schichtbetrieb und starke Kontrolle. Über das Thema Vertrauen, was wirklich im Mittelpunkt dieser Wertediskussion steht, sind wir jetzt an einem Scheideweg, wo wir wirklich sagen “Ja, das müssen wir mal machen”, weg von dieser Kontrolle und hin zu dieser Offenheit.

Wir haben sehr wenige dieser Instrumente bisher eingeführt, sind aber dabei einiges nachzuholen.

Norman: Spannend. Nehmen wir mal unsere Glaskugel raus und schauen mal ein bisschen in die Zukunft. Jetzt seid Ihr ja sehr eng an der Automobilbranche aufgehängt: Wie wird sich der Markt entwickeln? Lässt sich da schon eine kleine Vorahnung…

Anton: …Also, das ist eine wirklich unglaublich gute Frage. Das Gefühl, was jeder in der Industrie teilt ist, die nächsten 10 Jahr wird sich die Industrie so stark verändern, wie die letzten 100 es nicht getan haben. Das ist auch was ich glaube. Ich bin schon relativ lange in dieser Industrie, aber diese Veränderung die man sieht, das passiert jetzt so schnell. Das ist eine Geschwindigkeit, die diese Industrie bisher gar nicht kannte und es gibt eben extreme Positionen von Leuten, die sagen: “Alles wird anders. Das wird schon; das haben wir schon überlebt.”

Ich bin sicher, dass sich einiges verändern wird. Was die Folgen daraus sein werden, das ist schwer zu sagen. Es gibt Prognosen die sagen, es wird mehr Autos geben, mehr gebaut, weil sie werden billig und jeder wird 10 haben, weil die Autos sich selber finanzieren bis hin zu niemand wird mehr Autos haben und dazwischen alles mögliche.

Was die Auswirkungen für jemanden, der wie wir nur ein Produkt macht; der eine ganz bestimmte Funktion, nämlich Schutz und Aussehen von Autos zu bestimmen, sind, gibt es genau die gleichen Prognosen von: Es wird sich nichts verändern, weil egal ob es ein Elektroauto, ein Benzinauto ist, Korrosionsschutz und Aussehen sind nach wie vor enorm wichtig. Bis: Unser Geschäftsmodell ist tot, weil die nächsten Autos sind nur aus Plastik. Weil, genau wie es den meisten Leuten egal ist, wie ein Taxi aussieht oder die dann nur Werbung machen, deswegen wird kein Mensch Geld für eine Farbe oder für besonders schönes Aussehen ausgeben und beim Korrosionsschutz - ja, eine Folie tut’s auch.

Also, in dem Spannungsfeld bewegen wir uns und das ist für uns natürlich das mega spannende. Wir sind dabei das Thema Globalisierung zu verdauen, als Klingenberger Unternehmen in der Welt tätig zu sein und gleichzeitig müssen wir anfangen uns zu überlegen: Was passiert mit uns in 15 Jahren? Und das wird diesem ganzen Thema Marke und Werte eine ganz andere Bedeutung bringen. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, was hochqualitative Produkte für die Automobilindustrie schafft. Und wenn die Automobilindustrie diese Produkte nicht mehr befragt, was sind wir dann? Haben wir dann keinen Wert? Sind wir keine Marke mehr? Und hier im Vorgespräch hast Du was davon gesagt von sich selbst finden; sich selbst erfinden - in der Phase sind wir. Was sind wir und was können wir noch daraus machen? Und das ist unglaublich spannend.

Norman: Sehr gut. Im Grunde ist das ein Transformationsprozess, den Ihr gerade selbst durchlebt und initiiert, um sichtbar zu sein. Ich glaube auch Digitalisierung hat viel mit Austauschbarkeit zu tun oder so in der Masse auch untergehen und da wirklich eine Marke zu bauen. Das dauert bekanntlich eine gewisse Zeit, um auch als solche wahrgenommen zu werden. Das ist sicher ein riesen Thema. Was Du vorhin gesagt hast, das habe ich auch noch im Ohr und finde ich super wichtig, gerade dieses Talent Scouting und wirklich zu sagen “Wir müssen die Leute hier an den Main holen und sie begeistern mit uns an coolen Sachen zu arbeiten. Und wenn es nur so Teilprojekte sind. Es muss ja nicht immer der 10-, 20-jährige Arbeitsvertrag sein, sondern einfach projektweise an coolen Projekten weltweit. Diese Internationalisierung spielt da auch eine ganz wesentliche Rolle.

Gibt es da schon Überlegungen oder ist das jetzt auch Teil des Prozesses, wie Ihr die Attraktivität des Standortes in Deutschland oder an den anderen weltweiten Standorten erhöht, um genau solche Leute zu motivieren, mit Euch zu gehen?

Anton: Ja unbedingt. Wir haben intern erst mal einen Veränderungsprozess gestartet, wo wir versuchen uns eine andere Kultur - nicht nur über die Wert - sondern wirklich Sachen anders zu gestalten und da haben wir alle Mitarbeiter mit einbezogen und kleine Teams ins Leben geführt, die einfach nur Ideen generieren. Gleichzeitig haben wir ein Talentpool kreiert, erstmal intern.

Die Erfahrung die ich gemacht habe, nämlich hier reinzukommen und Sachen zu gestalten, die nicht nur digital, sondern auch in der echten Welt eine Auswirkung haben - das ist auch der Charme der Industrie. Ich meine, so witzig wie die digitale Welt ist. Es ist alles sehr abstrakt. Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man ein Auto anfasst und sagt: “Ich kann einsteigen, ich kann es fahren” und es ist ganz anders, als nur eine Webpage zu sehen, von der Bindung zum Produkt her. Und die zwei Sachen, das sind Assets, die wir haben. Das sind Differenzierungsmöglichkeiten. Wenn wir wirklich talentierten Leuten die Möglichkeit geben, früher als woanders Sachen zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, dann haben wir eine Chance. In diesem Talentpool versuchen wir Leute reinzubringen und sagen “Okay, wir werden es mit Euch riskieren. Die nächste Generation von Führungskräften im Ausland, Projekte, mach Du das”.

Wir haben jetzt die ersten Erfahrungen, aber da staune ich bei Leuten, wo wir gesagt haben “Ja, der kann was”, was da auf einmal für Ideen und Visionen entstehen. Das ist Wahnsinn. Und das ist wirklich sehr ermutigend, dass man einfach auch Talente in unserer Firma hat und die wollen wir als Referenz benutzen. Wenn wir in hoffentlich ein, zwei Jahren sagen können “Der oder die Dame ist jetzt verantwortlich dafür” und versuchen, solche Karrieren zu schaffen als Referenz, weil nur so können wir bestehen.

Norman: Ja, also auch meinen Respekt an Euch, dass Ihr genau das seht und dass Euch das auch wichtig ist.

Anton: Ja, aber das wollen wir sehen. Wir sind noch nicht so weit. Wir haben noch so viele Diskussionen, wo Leute sagen “Nee, das sind wir nicht” oder “Das ist was für Google, das ist was für Red Bull, aber nicht für uns”. Da sind wir schon sehr stark in der Situation, wo ich sage, dass sind nicht alles kluge Menschen, im Silicon Valley gibt es auch jede Menge mittelmäßige Leute. Ich kenne Leute, die dort gearbeitet haben von meinen früheren Firmen. Und nur weil ein Kicker oder irgendwas im Büro steht, dann sind die Leute nicht cooler, schlauer. Da muss man auch an sich glauben und das ist etwas, was der Mittelstand noch verstehen muss. Man kann nicht sagen: Das ist eine andere Welt, mit denen haben wir nichts zu tun. Diese Welten kommen jetzt über die Digitalisierung alle mehr zusammen und wir müssen eine Antwort darauf finden. Wir können nicht sagen “Damit wollen wir nichts zu tun haben, das ist eine andere Welt”, sondern wir stehen im Wettbewerb mit denen und wir sind nicht unbedingt schlechter. Wir sind anders und so wie wir am Anfang gesagt haben, dieses Anderssein, das muss man und kann man nutzen, um etwas Besseres zu kreieren und in dem Selbstfindungsprozess befinden wir uns gerade. Da gibt es einige Widerstände, aber auch einige Sachen, die wir erstaunlich schnell umgesetzt haben.

Norman: Das war ja auch der Grund, warum ich Dich eingeladen habe zu diesem Podcast, weil ich freue mich natürlich immer wieder, wenn ich Unternehmen und Unternehmer und Verantwortliche kennenlerne, die im Kopf einfach aufgemacht haben. Die nicht sagen “Das ist ein Trend. Digitalisierung, Marke ist nice to have, macht meine Marketingabteilung”, sondern wirklich sagt, das Thema Branding ist Chefsache und wir entwickeln von diesen denkenden kreativen Nukleos da oben die Unternehmenskultur, die dann lebbar ist mit den Mitarbeitern usw. Das ist immer wieder schön zu sehen und deswegen freue ich mich, dass Du da bist und berichtest, wie das in einem Familienunternehmen so von statten geht.

Gibt es derzeit ein Passion Projekt, für das Du gerade brennst - natürlich neben dem daily business und den ganzen Arbeiten an der Marke, das ist ja völlig klar -, aber gibt es gerade ein Ding, wo Du sagst “Hey, da freue ich mich, wenn das fliegt”?

Anton: Ja, das Thema Talente und neue Mitarbeiter reinzubringen ist momentan mein Wichtigstes. Also, wie man bessere Leute hier rein bringt und ich bin daran beteiligt, eine neue Art von Geschäftsmodell zu entwickeln. Das ist es. Wir müssen dringend die nächsten zwei bis drei Jahre die Leute bringen, den Freiraum geben, dass sie uns helfen, uns neu zu erfinden. Ich bin sicher, wenn ich mich einsperre und mit dem Eigentümer diskutiere, dann werden wir nicht…. Vielleicht haben wir einen Geistesblitz, aber momentan haben wir keinen Plan. Es ist so schwer zu sagen, wie sich die Welt verändern wird. Wir haben natürlich einen Business Plan und in 5 bis 10 Jahren sind wir safe, aber was wollen wir in 10, 15 Jahren sein? Dazu brauchen wir ganz andere Ideen, ganz andere Gedanken und diesen Pool zu schaffen, an Leuten und diese Ideen zu generieren und ihnen den Freiraum zu geben, da sind wir gerade ganz am Anfang. Wenn uns das gelingt, dann machen wir uns keine Sorgen, dass wir die nächsten 70 Jahre überleben. Das ist mein wichtigstes Projekt, ja.

Norman: Schön. Welchen Rat würdest Du anderen Unternehmenslenkern mit auf den Weg geben, wie die sich dem Thema Digitalisierung stellen?

Anton: Ich meine, Du hast es schon selber gesagt. Man muss das Ganze akzeptieren. Ich sehe das am Beispiel Tesla. Wie diese Industrie - und die sind mittlerweile schon lange da - am Anfang belächelt wurde und wie alle nur Witze gemacht haben. Ich habe das bei unseren Kunden erlebt, wie sie das Ganze einfach ins Lächerliche gezogen haben und auch an Projekte scheiternde. Und irgendwann mal hat er Erfolg gehabt über ganz andere Möglichkeiten; sehr stark über das Thema Brand Image. Weil wir schimpfen immer noch über die Teslas und wer mal drin gesessen ist - das ist ein Auto, das ist natürlich qualitativ noch lange nicht auf dem Level von einem deutschen Premium Fahrzeug. Wenn man weiß, wo man hinschauen soll, dann denkt man “Ach Gott, wie kann man so viel Geld für so ein Auto zahlen?”, aber darauf kommt es nicht mehr an.

Die Leute stehen Schlange, um die nächste Kreation zu bestellen von einem Auto, was sie noch nicht gesehen haben. Und sie haben keine Ahnung, ob irgendwelche Spaltmasse richtig oder nicht … Das ist denen auch Wurscht, weil das ist ein ganz anderes Lebensgefühl. Da hat sich die Autoindustrie lange Zeit dagegen gewehrt, irgendwann mal einen Switch gemacht und dann hat man überall, wo man war, lauter Teslas gesehen und die richtig auseinander genommen bis sie verstanden haben - hoffentlich, weil das sind unsere Kunden - dass es um andere Sachen geht. Nämlich um dieses “Was will der Endkunde letztendlich?” und sehr viel mit diesem mergen von Automobil und Informationstechnik und Medien, dass Leute es mega cool finden, dass sie im Auto ein riesen Display haben und wie viel PS? - Ja, auch wichtig. Aber das Display. Und das ich meine Applikationen sehen kann und am liebsten würde ich das Display die ganze Zeit sehen und das Ding soll die meiste Zeit selber fahren. Das hat was mit Verstehen wollen und sich öffnen wollen zu tun.

Ich hoffe, dass die deutsche Industrie das jetzt verstanden hat. Denn wenn man sieht, in was für Zeiten wir sind, da mache ich mir weniger Sorgen, als vor ein paar Jahren. Aber das ist das, was ich den Leuten sagen will: Es gibt keine Nische. Es gibt keine Branche, wo man sagen kann “Ach, bei uns nicht. Unser Geschäftsmodell ist nicht davon betroffen”. Ich glaube, da gibt es 100.000 Studien, wo jeder für seine eigene Industrie sagt “Wir sind nicht so stark betroffen. Unser Business-Modell wird nicht betroffen sein, aber die anderen”. Und das kann ja nicht richtig sein.

Das heißt, der erste Ratschlag ist, das zu akzeptieren. Die Welt verändert sich und man ist betroffen, ob man will oder nicht. Man kann sich die Sachen nicht wegwünschen.

Norman: Ja schön. Vor allen Dingen ist es interessant, wie das auch abfärbt auf die Marke per se. Also, wenn ich in mein Auto einsteige und diese deutsche Wertarbeit, diese Qualität spüre, riechen kann, wenn es ein neues Auto ist und dann mache ich das Navi an oder habe eigentlich kein digitales Erlebnis; kann mich nicht einfach connecten; stehe im Stau, obwohl mein Navi sagt “ist frei” usw., dann führt das natürlich dazu, dass dieses ganze Nicht-Erlebnis, diese digitale Erlebnis fehlt, was ja auch auf die Marke einzahlt.

Anton: Genau.

Norman: Und da würde ich mich natürlich auch freuen, wenn gerade die deutschen Automobilbauer da noch nachziehen und dieses Live-Erlebnis, dass ich wirklich einen Live-Staumelder bekomme oder mich wirklich auch mit einfachem User Interfaces connecten kann, dann ist das wieder eine ganz andere Geschichte und das macht Tesla sehr cool. Das stimmt.

Schön, Anton. Ich habe in jedem Interview eine kleine Quick Q&A Session. Ich stelle ganz wenige Fragen - übersichtlich (lacht) und Du antwortest einfach spontan, was Dir dazu einfällt.

Was hat Dich Anfangs davon abgehalten, Dich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen?

Anton: Puh! Also, sehr stark der Gedanke: Das betrifft uns nicht. Unsere Kunden kaufen sowieso nur wegen dem Preis und unsere Website ist eigentlich egal und Facebook brauchen Firmen nicht. Und erst über das Thema Talent, wie wir eben besprochen haben, da haben wir gemerkt “Okay, das betrifft uns auch” und wir seit wir über neue Business-Modelle nachdenken, sind wir voll dabei.

Norman: Welcher Moment oder Rat hatte einen besonders nachhaltigen Einfluss auf Dein heutiges Leben oder auf Dein Business?

Anton: Da gibt es so viele, aber grundsätzlich, was mich geprägt hat und das ist etwas was ich versuche. Ich bin ja in Mexiko groß geworden. Wir waren obere Mittelklasse. Mein Vater ist österreichischer Ingenieur dort gewesen. Wir haben also ein sehr gutes Leben gehabt. Aber man ist schon sehr stark mit dem Thema Armut als Kind konfrontiert gewesen. Und daraus habe ich schon das Bewusstsein entwickelt: Ich bin privilegiert. Ich habe ein Chance, die so viele Leute nicht haben.

Ich habe ein Bild im Restaurant zu sitzen und draußen ist ein Kind in meinem Alter und verkauft Kaugummis. Und irgendwann mal hat meine Mutter gesagt: “Du hast eine Verantwortung, dass Du auf dieser Seite der Scheibe bist und nicht draußen. Mach was draus!”

Und das ist, was man in Europa immer wieder vergisst und dieses ganze Anspruchsdenken, ohne sich anstrengen zu wollen. Das sind Sachen, wo ich einfach, wenn ich junge Leute treffe, sage “Mann, mach was draus. Du hast so viele Möglichkeiten. Es gibt so viele Leute auf der Welt, die sich wünschen würden, an Deiner Stelle zu sein”. Und das ist das, was mich sehr stark antreibt.

Norman: Sehr, sehr stark! Klasse. Kannst Du uns eine Internetressource oder ein Tool nennen, was Du selbst nutzt?

Anton: Ohh, jede Menge! Ich meine, ich bin 100%-ig connected. Ich habe jetzt alles was Papier ist abgegeben. Ich benutze jetzt sogar meinen Computer gar nicht mehr. Also, mein ganzes Leben ist fast im iPad. Wir sind dabei das Thema Sharepoint und Cloud weltweit auszurollen. Das finden wir sehr, sehr spannend und sehr stark.

Norman: Super! Welche drei Mobile Apps benutzt Du am liebsten?

Anton: Ja, ich bin nach wie vor sehr viel unterwegs. Deswegen alles was in Richtung TripAdvisor, um mich irgendwo in einer fremden Stadt zurechtzufinden, benutze ich sehr, sehr viel. Und wir haben jetzt auch privat angefangen, unseren Urlaub über Airbnb zu buchen. Wir schlafen bei niemandem auf dem Sofa (beide lachen), aber Häuser oder so damit zu finden, ist einfach unglaublich cool.

Norman: Ja, sehr cool. Spannende Frage: Was für Musik hörst Du gerne, die Dich inspiriert?

Anton: Puh! Da bin ich unglaublich kommerziell getrieben. Da werde ich immer für belächelt, weil ich das sehr viel höre. Ich lasse mich auch sehr stark von Apple Music berieseln bei “Das ist for you” (beide lachen). Ich denke, das ist mega cool und dann stelle ich fest, dass es schon lange auf Nr. 1 in irgendwelchen Charts ist und dann schäme ich mich dafür, aber das hat den Vorteil, dass ich mich nicht über meine Kinder aufregen muss, weil wir hören die gleiche kommerzielle Musik.

Norman: Sehr cool! Kannst Du uns ein Buch empfehlen, welches für Dich einen großen Mehrwert hatte? Wie heißt das Buch und worum ging es in diesem Buch?

Anton: Ja, erstmal eine aktuelle Empfehlung: Rise of Robots. Das war das Business-Buch des Jahres. Da geht es darum, wie viele Jobs in nächster Zeit automatisiert werden. Und da geht es nicht um produzierende, sondern da geht es um Anwälte, da geht es um Ärzte, da geht es teilweise um’s Management. Eine unglaublich spannende Geschichte, die im Zusammenhang mit dem, was gerade politisch passiert dazu führt: Wie wird die Welt ausschauen, wenn niemand mehr arbeitet oder nur 10-20% der Bevölkerung wirklich einen Job haben. Wie wollen wir die Gesellschaft organisieren und wo führt das Ganze hin? Es ist zwar nicht das motivierendste Buch, weil es wirklich eine Warnung ist, aber das lese ich gerade. Und ich denke für Leute, die Verantwortungspositionen haben: Wir müssen wirklich andere Modelle entwickeln, wo es nicht nur darum geht, Sachen zu maximieren, sondern wirklich auf das Thema, Leute eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, eventuell auch auf Kosten der Produktivität. Über solche Sachen muss man auch nachdenken.

Wenn man das einfach extrem zu Ende denkt, dann weiß ich nicht, wie diese Welt ausschauen wird. Also, wirklich eine spannende, spannende Entwicklung.

Norman: Sehr spannend! Super, vielen Dank. Wir verlinken das alles in den Shownotes zu diesem Podcast. Anton, wir sind am Ende unseres Interviews. Kannst Du uns zum Schluss noch einen Tipp mit auf den Weg geben? Irgendeinen spannenden Hinweis?

Anton: Das Einzige, was ich den meisten Leuten wünschen würde ist mehr Mut und positives Denken. Gerade in Zeiten, wie jetzt… Ich meine, ich war letzte Woche in den USA in Mexiko und wir sind immer noch geschockt, was da passiert ist, aber andererseits, wenn wir jetzt alle in Depressionen verfallen… Das wird nicht funktionieren. Es gibt wenig Sachen in meinem Leben, die ich bereue, die ich versucht habe. Die meisten Sachen, wo ich denke “Hätte ich das gemacht”. Weil ich nicht den Mut hatte. Ein bisschen Optimismus auch in dieser Situation - ich glaube, Menschen sind grundsätzlich großartig und wenn man das Ganze nicht vergisst und nicht immer denkt “Das sind alles Idioten, das wird schlecht gehen”, dann kann man besseres erleben und erreichen.

Norman: Schön! Das lassen wir genauso stehen. Anton, vielen Dank für Deine Zeit und dieses Interview. Das hat mir großen Spaß gemacht. Wir bleiben in Verbindung.

Anton: Danke, super!

Norman: Danke, ciao.

Anton: Ciao.

 

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