Im letzten Beitrag – Ihr erinnert Euch? – ging es um den Bitcoin und die Frage, ob dieses ursprünglich nur als Code existente Konstrukt nun eine Währung sei, es sich mithin um eine bestimmte Form von Geld handelt, oder aber, wie es z.B. die schwedischen Finanzbehörden zunächst beschieden, ein Rohstoff, der unter die Umsatzsteuerpflicht fiele.

 

Allein schon der Gedanke, ein Code könne ein Rohstoff sein, vergleichbar dem Erdöl, Lithium oder Gold, ist unglaublich faszinierend.

Allerdings wurde dann höchstrichterlich entschieden: Der Bitcoin ist tatsächlich eine Währung und fällt als solche nicht unter die Steuerpflicht. So weit, so gut.

 

Warum breitet sich das Kryptogeld dann nicht aus?

 

Als größte Hindernisse einer breiten Annahme von Kryptowährungen als Zahlungsmittel stehen die althergebrachten Notenwährungen im Wege. Sie haben zumeist jahrhundertealte Tradition, sind legalisiert, der Staat bzw. dessen Regierung kann besteuern, konfiszieren, kann im Falle nicht unabhängiger Zentralbanken (wie beim Euro der Fall – obwohl dies anfangs nicht vorgesehen und per Vertrag verboten war) in die Geldpolitik eingreifen (eine Katastrophe!) und vor allem: Sie sind in den tiefsten Tiefen der Gehirne als Zahlungsmittel verankert. Am liebsten als Cash. Bar auf Tatze.

 

Und nicht nur dieser Konkurrenz ist der Bitcoin ausgesetzt, sondern auch immer neuen, immer anderen Kryptowährungen, sogenannten „Alt-Coins“. Der Bitcoin ist nämlich nur die berühmteste unter ihnen. Das „Alt“ hat indes nichts mit „alt“ zu tun, wie könnte es auch, denn es ist ja brandneu. Vielmehr ist „alt“ das Kürzel für „Alternative“. Diese Alt-Coins stehen vor demselben, scheinbar unüberwindbaren Problem wie der Bitcoin: Dem guten alten Bimbes, den wir in unseren Taschen durch die Gegend tragen.

 

Die ersten Alt-Coins erschienen bereits kurz nach der Gründung des Bitcoin. Dessen enormer Erfolg rief kreative Konkurrenten auf den Plan. Und man glaubt es kaum: Heute befinden sich mehr als 800 (!) Kryptowährungen wie der „Ripple“, der „Litecoin“, der „Dash“, „Ethereum“, „NuBits“ oder der „Dogecoin“ im Markt. Am 1. August 2017 betrug ihre Marktkapitalisierung 91 Milliarden $. Allerdings schwebt der Bitcoin hoch über allen anderen. Mit einer Marktkapitalisierung von 44,3 Milliarden $ und einem Anteil von derzeit 48.8 % dominiert er nach wie vor den Markt. Doch die Konkurrenz holt auf. Hielt der Bitcoin noch 2015 über 85 Prozent des Kuchens, so macht vor allem der Ethereum mit einer Marktkapitalisierung von 20,5 Milliarden Dollar und einem Marktanteil von inzwischen 22,5 % immer mehr an Boden gut – und das, obwohl er erst 2015 gegründet wurde.

 

Der immer noch überragende Erfolg des Bitcoin dürfte auf seine Pionierstellung zurückzuführen sein. Man benutzt eben lieber das Original als das, was man verdächtigt, nur Abklatsch desselben zu sein. Die Vorschusslorbeeren, mit denen der Bitcoin daherkam, verschafften ihm einen substantiellen Vorsprung. Noch heute denkt fast jeder, der in Erwägung zieht, Teile seines Zahlungsverkehrs (oder alles) über eine Kryptowährung abzuwickeln, zuerst an den Bitcoin. Aber nicht nur, weil er der bekannteste ist, sondern vor allem, weil er über das größte Netzwerk verfügt. Mit anderen Worten: Dieselben Überlegungen, die Menschen davon abhalten, von althergebrachtem Geld auf den Bitcoin umzusteigen, hindern sie auch daran, dem Bitcoin eine andere Kryptowährung vorzuziehen.

 

Haben dann die anderen Kryptos überhaupt eine Chance?

 

Wie in allen Märkten haben oft die Nachfolger und Kopisten des Originals die Chance, Fehler und Nachlässigkeiten der Vorlage zu tilgen, es besser zu machen. Das kann ein großer Vorteil sein. Sie könnten die am Bitcoin geäußerten Kritiken aufgreifen, ihr Produkt entsprechend fit machen und Coins anbieten, die von den alten Fehlern befreit sind. Die Betreiber des im Vergleich zum Bitcoin viel kleineren Litecoin haben z.B. die in den Augen vieler Interessenten übertriebene Knappheit aufgegriffen. Während der Bitcoin streng auf 21 Millionen Coins begrenzt ist (ein Grund seines hohen Kurses), besteht der Litecoin-Pool aus der vierfachen Menge (84 Millionen) an Coins.

 

Insgesamt entwickeln sich die Kurse von Kryptowährungen weiterhin äußerst positiv. Hieraus nähren sich Hoffnungen, die Dinger könnten sich über kurz oder lang zu einem echten Geldersatz entwickeln. Die Meinungen hierüber sind indes gespalten. Das am häufigsten ins Feld geführte Gegenargument ist, dass Kryptowährungen nach wie vor nur von einem eher kleinen Publikum verwendet werden und in erster Linie Spekulationszwecken dienen.

So lange dies so ist, besteht in der Tat aufgrund der extremen Kurssprünge kein Anlass, Bitcoin, Ethereum und Co. zu echten Geld- und Währungssurrogaten hochzudiskutieren. Jede Spekulationsblase bedeutet Deflation, ihr Platzen das Gegenteil: Inflation. Derartige Verzerrungen hätten für echtes Geld katastrophale Konsequenzen. Insbesondere der Vertrauensverlust der Nutzer wäre verheerend. Die Kunst, echtes Geld zu handeln und zu handlen ist ja, die Menge über die zinsgesteuerte Kreditvergabe zu regulieren. Dies ist angesichts der Mengenbeschränkungen von Kryptowährungen (noch) nicht möglich.

 

Was aber, wenn sich dies veränderte? Wie wäre es denn mit einer echten, diesmal regulierten Konkurrenz für das Zentralbankgeld?

Denn wer argumentiert, Kryptowährungen seien aufgrund ihrer Spekulationsanfälligkeit als Geldersatz nicht geeignet, dem kann entgegengehalten werden, dass auch besagtes „echtes“ Geld vor Spekulation keineswegs gefeit ist.

 

Nicht einmal das Argument „too big to fail“ verfängt mehr, wenn man an den entgleisten Euro denkt, der entgleist ist, weil z.B. in Spanien just wegen dem Euro eine Immobilienblase entstehen konnte, deren Kollaps die gesamte spanische Wirtschaft in den Abgrund riss.

Unvergessen auch der 16. September 1992. Damals verdiente der verruchte amerikanische Milliardär und Spekulant George Soros an einem einzigen Tag über eine Milliarde Dollar, nachdem er gegen das britische Pfund spekuliert hatte. Beim vergeblichen Versuch, das Pfund zu stützen, verbrannte die Bank of England Milliardensummen.

Und natürlich fest im kollektiven Bewusstsein der Deutschen verankert ist die katastrophale Inflation in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, zurückzuführen auf das entfesselte Drucken von Geld durch die Reichsbank – ein Vorgang, an den in fataler Weise die derzeitige Politik der Europäischen Zentralbank erinnert.

Ein sehr interessanter, zur Diskussion stehender Vorschlag wäre nun jener, der Zentralbanken die Nutzung von Kryptowährungen ans Herz legt. In dieser Idee befinden sich gleich mehrere Lösungen für das gefährlich aus den Fugen geratene internationale Währungsgefüge.

Hier könnte die für Kryptowährungen konstitutive Knappheit, die sie ja erst zu Spekulationsobjekten macht, ein heilsames Regulativ sein. Die Annahme der schwedischen Finanzbehörden, es handele sich beim Bitcoin um einen Rohstoff, wäre dann sogar als willkommener Stabilisator des gesamten Währungssystems zu betrachten.

 

Denn eines ist klar – und wird von vielen Protagonisten z.B. eines bedingungslosen Mindesteinkommens entweder nicht gewusst oder vorsätzlich beiseitegeschoben: Geld ist ein superiores Gut. Es bildet Leistung ab. Es mit der Gießkanne zu verschenken, führt nicht nur zu einer Entwertung des Geldes, sondern viel schlimmer: Zu einer Entwertung der Werte.

 

Dem sei dann hoffentlich der Bitcoin vor!

 

CHIEF DIGITAL ADVISOR

 

Noch ein wichtiger Aufruf: Es geht nicht ohne dich. Und deshalb ist es sehr wichtig, dass du diesen Podcast mit deiner Bewertung bei iTunes unterstützt. Denn durch deine Bewertung rankt dieser Podcast bei iTunes entsprechend höher und schafft höhere Aufmerksamkeit, wodurch mehr Fragen an mich gestellt werden, mehr Interaktion stattfindet und dieser Podcast einen Dialog erfährt und damit lebendig gestaltet werden kann - nicht nur von mir, sondern von uns allen. Vielen Dank also jetzt schon für deine Bewertung bei iTunes.

 

Frisches Hörfutter direkt auf Dein Smartphone

Du kannst nun umgehend auf dem Messenger Deiner Wahl über neue Podcast-Episoden, Blogbeiträge, Newsletter und Aktionen auf dem Smartphone informiert werden und die Inhalte auch gleich abrufen. Zusätzlich kannst Du dem MARKENREBELL auch Anregungen, Fragen oder andere Feedbacks senden, die dieser dann auf dem kurzen Weg gerne beantwortet. Wie das funktioniert, erfährst du hier.

 

Klicke hier und wir versorgen Dich kostenfrei einmal im Monat mit den wichtigsten Informationen in unserem Newsletter.

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, teile ihn bitte in Deinen Netzwerken, dadurch unterstützt Du uns enorm! Danke!!!

 

%d Bloggern gefällt das: