Sturm und Drang im digitalen Zeitalter - Was Konzerne von Startups lernen können

 

Überall sprießen sie aus dem Boden heraus - die Startups. Mal erfolgreich, mal weniger aber immer wieder innovativ, technisch affin und vor allem eins: agil. Große, gestandene Unternehmen können da oftmals nur neidisch zugucken. Doch warum ist das eigentlich so und viel wichtiger: Muss das so sein? Was können und sollten Konzerne auf ihre alten Tage noch von jungen Startups lernen?

 

Flache Hierarchien, Mut und Flexibilität

 

Zunächst muss man herausfinden, was die wesentlichen Unterschiede zwischen großen Unternehmen und Startups sind. Das sind zunächst einmal natürlich quantitative Unterschiede. Die meisten Startups sind kleiner, jünger und finanziell leichter als große Konzerne. Diese Größen bringen allein schon Unterschiede mit sich: Je weniger Mitarbeiter, desto flexibler und agiler kann ein Unternehmen sein, Entscheidungen können schneller getroffen werden, da sie nicht durch verschiedene Gremien müssen und von weniger Personen abgesegnet werden müssen. Dies wiederum beeinflusst die Geschwindigkeit, wie schnell gehandelt werden kann.

 

Wenn in einem Unternehmen schnell gehandelt werden kann, hat dies natürlich eine sofortige Wirkung auf die Agilität und Flexibilität auch innerhalb des Unternehmens. Neue Situationen erfordern immer neue Zusammensetzungen, neue Entscheidungen und Entscheidungsträger. Fortbildungen, um ständig auf dem neusten Stand zu sein sind hier Pflicht. Damit wächst zwar einerseits die Flexibilität, durch die stetige Veränderung geht jedoch auch die Planungssicherheit großer Konzerne verloren. Startups müssen daher von Natur aus sehr viel mutiger und risikobereiter sein, denn was gestern noch war, kann morgen schon ganz anders sein.

 

Die oft digitale und ortsunabhängige Ausrichtung vieler Startups spielt mit diesem Zustand. Es wird einerseits große Flexibilität der Mitarbeiter gefordert und oftmals können keine Sicherheiten gewährleistet werden. Andererseits bieten Startups oftmals rasche Aufstiegschancen, die mit flachen Hierarchien einhergehen, Raum für Kreativität und Selbstverwirklichung, sowie die Flexibilität auch auf Seiten des Mitarbeiters. Home-Office, digitales Nomadentum oder lockere Teamarbeit sind hier viel öfter vertreten als in traditionellen Unternehmen.

 

Agilität birgt neue Chancen in der Kundenbeziehung

 

Durch die ständige Anpassung an den Markt, die nur mit einer dauerhaften Flexibilität einhergehen kann, ist es Startups oft möglich, den Kundenwunsch in einem bestimmten Situation sehr viel genauer zu erfassen und sich dementsprechend auszurichten. Traditionelle Unternehmen beobachten ihren Kundenstamm zwar sicherlich, nehmen kleine Änderungen vor, um möglichst aktuell zu bleiben und fassen hier und da auch neue Kunden ins Visier, haben sich aber im großen und ganzen auf einen Weg festgelegt, den sie meistens schon seit Jahren beschreiten und den zu ändern logistisch nicht ganz einfach wäre.

 

Startups hingegen stecken meist noch in den entwicklerischen Kinderschuhen. Und selbst wenn es sie schon etwas länger gibt: Die Eigenschaft von Startups ist ja nunmal, sich stetig zu verändern und flexibel zu bleiben. Sie fragen ihre Kunden nicht nur, was könnte man am bisherigen Produkt verbessern, sie fragen: Was gibt es noch überhaupt nicht und wie können wir es auf den Markt bringen? Damit steht Startups von vorneherein ein sehr viel größerer Markt offen, der zwar auch weiterhin die Risiken des Scheiterns birgt - jedoch auch viele Chancen auf Marktlücken, Innovation und Erfolg.

 

Wie aber kriegen die das hin?

 

Eine Portion Mut und Risikobereitschaft gehört dazu. Das ist zugegebenermaßen in großen gefestigten Unternehmen, die große finanzielle Verantwortung tragen, nicht so leicht, wie in einem jugendlichen, neuen Startup. Außerdem wird in Startups jeder individuell betrachtet und gefördert. Das Team will ein gemeinsames Ziel verfolgen und jeder sieht es als eigene Verantwortung an, dieses Ziel zu erreichen.

Ein hochmotiviertes Team voller kluger Köpfe. Klingt fast zu schön um wahr zu sein, oder? Das Geheimnis dahinter ist jedoch einfachste Psychologie. Wer sich gebraucht, gefördert und gehört fühlt, kann sich entfalten. Wer klein gehalten wird und frustriert ist, hat keine Lust, die Extrameile für die Arbeit zu gehen.

 

Die flache Hierarchie, die wechselnden Strukturen sowie die schnellen Aufstiegsmöglichkeiten in Startups sind psychologisch gesehen höchst motivierend. 
Stell dir mal vor, du hast ein besonderes Talent und weißt, dass du etwas damit erreichen kannst, in deiner Firma wird dir jedoch ständig die Managerposition vor der Nase weg geschnappt und dir gesagt, du solltest einfach deine Arbeit machen. Ein Startup funktioniert genau so nicht. Stattdessen schauen Führungspersonen sehr genau, wen sie sich ins Team holen und wofür. Stärken werden je nach Projekt genutzt und Schwächen durch die Kollegen ausgeglichen. Durch Teammeetings, transparente Führung uńd einen guten Informationsfluss werden die Mitarbeiter zur selbständigen Arbeit motiviert. Eigene Ideen sind willkommen und Eigeninitiative wird begrüßt. So entsteht oft ein sehr lockeres Verhältnis, in dem sich Kreativität wunderbar entfalten lässt und Risikobereitschaft wächst, weil ein Vertrauen untereinander entsteht.

 

Methoden fördern das gemeinsame Denken

 

Es wird erwartet, “out-of-the-box” zu denken und das gemeinschaftlich. Beispielsweise mit Design Thinking. Dies öffnet wiederum Türen, die großen Konzernen verschlossen bleiben. Das freie und kreative Herumgespinne sorgt für Innovation und durch den ständigen Austausch mit Markt und Kundengruppen kann eine sehr stark kunden- und innovationsorientierte Marktpolitik geschaffen werden, die oftmals erfolgreich ist, da sie nur das entwickelt, was benötigt wird.

 

Tatsächlich ist es unter anderem vor allem die flache Hierarchie, die es ermöglicht, besonders kundenorientiert zu denken und zu handeln. In traditionellen Betrieben ist oft eine feste Abteilung für Innovationen zuständig. Diese haben die Erfahrung auf ihrer Seite, viel zu oft verliert man jedoch den Blick für Bedürfnisse und wirklich Neues. Wer aber seine Mitarbeiter - und zwar aus allen Bereichen - dazu auffordert genau hinzusehen, zu beobachten und sich mit Ideen einzubringen, ohne dass diese Angst haben müssen, nicht wichtig genug zu sein oder nicht in der richtigen Position, um Kritik zu üben, wird viel mehr Einblicke in den tatsächlichen Markt bekommen. Und zwar aus sehr viel vielfältigeren Sichtweisen und Blickwinkeln. Die Entscheidung, was dann in der Umsetzung tatsächlich Sinn macht, bleibt weiterhin in Führungshand. Es gibt einfach ein weiteres Spektrum, aus dem gewählt werden kann.

 

Wie klappt das denn nun in großen Konzernen?

 

Seinen Mitarbeitern das Gefühl zu geben, ihre Meinung zählt, ist generell immer eine gute Idee. Innovationen und Veränderungen auf dem Markt mutig und flexibel entgegen zu treten (mit eingegrenztem Risiko natürlich) an sich auch. Bei riesigen Konzernen ist das aber manchmal nicht unbedingt einfach. In Startups kennt man sein ganzes Team persönlich und kann Teams je nach Aufgabenlage neu erstellen und zusammen würfeln. In einem großen Unternehmen ist es logistisch undenkbar, dass Mitarbeiter ständig zwischen den Abteilungen hin und her wechseln.

 

Man kann jedoch den Grundgedanken wahren und beispielsweise eine gewisse Transparenz durch alle Abteilungen ziehen. Auch die gegenseitige interne Vernetzung zwischen verschiedenen Abteilungen ist sehr wichtig für eine kreative Kommunikation. Innere Abläufe können durch digitale Transformationen, neue Programme und Teammeetings oft sehr schnell optimiert werden, auch bei größeren Mitgliederzahlen.

Maximilian von der Ahé, der vor 7 Jahren das Betahaus Berlin mit gründete empfindet übrigens die Corporates auf Seiten der Personalentwicklung weiterhin als Gewinner. Wichtig seie nicht eine vollkommene Ausrichtung als Startup. Dies sei für finanzschwere Unternehmen sowieso nicht so einfach machbar. Vielmehr sollte es darum gehen, sich sein eigenes Unternehmen genau anzuschauen und herauszufinden, welche der Startup Eigenschaften an welcher Stelle nützlich sein könnte. So werden laut von der Ahé beispielsweise häufig Teams, die in großen Konzernen für Innovation verantwortlich sind in Co-Working-Spaces geschickt, damit sie sich dort von Startuplern den nötigen Entrepreneur-Vibe abgucken können.

 

Eine kundenorientiertere Marktforschung kann ebenfalls Türen öffnen. Große Konzerne sollten die Angst davor verlieren, etwas zu verändern. Das muss keine vollkommene Neuausrichtung sein, sondern vielleicht nur eine Anpassung an den aktuellen Markt und die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden. Letzten Endes gibt es kein perfektes Unternehmen. Startups sind agil, flexibel und offen für Möglichkeiten. Große Konzerne können dafür Sicherheit und Beständigkeit bieten. Ein Austausch zwischen beiden Welten kann jedoch in beiden Fällen für Verbesserungen des eigenen Unternehmens sorgen und bietet in jedem Fall einen interessanten Einblick in eine andere Welt.

 

CHIEF DIGITAL ADVISOR

 

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