Zurzeit ist die drohende Abschaffung des Bargeldes ein großes Thema. Wieso „drohend“? Hat es nicht auch riesige Vorteile?

Die galoppierenden Fortschritte der digitalen Möglichkeiten haben im Zusammenspiel mit der ebenfalls galoppierenden Eurokrise Experten etlicher akademischer Disziplinen auf den Plan gerufen, die sich nun in geheimen Zirkeln, aber auch in aller Öffentlichkeit über den Sinn oder Unsinn einer solchen Maßnahme streiten. Langer Satz, knappe Essenz: Es geht um nichts weniger als um die Zukunft des Geldes.

Die Schweden z.B. scheinen es super zu finden: Dort wird fast nur noch mit Karte oder per App bezahlt. Zu ihrer Verblüffung werden Touristen, die mit Bargeld anreisen, an den meisten Zahlstellen abgewiesen.

Der 500-Euro-Schein wurde bereits in der ganzen Eurozone abgeschafft; im Umlauf sind nur noch Restbestände, die aber von den Kreditinstituten nach und nach eingezogen werden.

 

Für und Wider

 

Zunächst, so die Befürworter, hätte die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs riesige Vorteile:

Geldbewegungen könnten in Jetztzeit nachverfolgt und überprüft werden.

Die Kriminalität würde dadurch massiv reduziert. Geldtransfers international operierender terroristischer Organisationen würden stranguliert: Der IS säße auf dem Trockenen.

Die Schwarzarbeit wäre beseitigt, Drogenhandel, Diebstahl von Geld, Banküberfälle, Beschiss und Betrug: Alles Geschichte. Wirtschaftskriminalität wäre so gut wie ausgerottet.

Die Besteuerung von Transaktionen aller Art könnte vollständig automatisiert werden. Jeder Einkauf, da digital bezahlt, würde direkt bei einer zentralen Steuerbehörde verbucht.

 

Ob im Supermarkt, im Hotel, am Skilift oder im Eiscafé. Taxifahrten, Arztbesuche, Versicherungen, einfach alles: Das System könnte problemlos und sinnigerweise so programmiert werden, dass die privatbezahlende von der geschäftlich- einnehmenden Transaktion unterschieden würde. Die Transaktionen jedes Einzelnen könnten dann sofort digital kumuliert und Bestandteil einer aggregierten Steuererklärung sein. Die lästigen Steuererklärungen entfielen.

Alles ginge enorm schnell, ohne Papierkram und das tütenweise Sammeln und Aufbewahren von Rechnungsschnipseln.

Keine Geldtransporte und -Überfälle mehr.

Das lästige Herumtragen von Geldbörsen wäre Historie.

Und ja, sogar ökologische Gründe könnten vorgebracht werden: Für die Herstellung von Papiergeld müssten keine Bäume mehr abgeholzt werden.

Diese Argumente reichen aber für die Abschaffung des Bargelds nicht aus.

 

Der enorme, ja das Leben jedes Einzelnen massiv beeinträchtigende Nachteil: Es gäbe keine Privatsphäre und keine Geheimnisse mehr. Der Staat und seine Behörden wüssten zu jeder Zeit, wer was wann wo eingekauft hat, wie lange er sich hier und dort aufhielt. Er wüsste über die Vorlieben und Abneigungen bescheid. Er wüsste, an wen wir spenden, hätte vollständigen Einblick in unsere politischen Überzeugungen und sogar in unsere sexuellen Neigungen. Der Mensch wäre gläsern. Ein offenes Buch.

Nicht nur unangenehm, sondern gefährlich: Jedes Geheimnis geriete rasch in den Ruch des Kriminellen. Das kann nicht gesund sein, und deshalb würde es höchstwahrscheinlich nicht gutgehen. Viel schwerer wiegen psychologische Argumente, die mit unser aller Psyche zusammenhängen. Die menschliche Psyche ist ein über Millionen von Jahren gewachsenes Naturprodukt. So etwas lässt sich nicht einfach abschaffen.

Und zu dieser menschlichen Natur gehört das Bedürfnis, intime Räume zu haben, sich in eine schützende, für niemanden einsehbare Nische verkriechen zu können. Sich mit sich selbst und seinen Lieben, mit seiner Familie, seiner Verwandtschaft, mit Freunden absondern zu können vom Politisch-Gesellschaftlichen, von der Allgemeinheit. Zur menschlichen Psyche gehört das Geheimnis. Ohne einen von äußeren Einflüssen abschirmbaren „inneren Raum“ wird der Mensch krank.

Zwar sind wir schon heute viel gläserner, als viele es ahnen. Dennoch haben wir durch das Bargeld nach wie vor die Möglichkeit, z.B. unserer Nichte mal knisternd einen Zehner zuzustecken. Die Vorstellung, dass jedes Kind ein Smartphone oder eine Bankkarte benötigt, um sich im Laden um die Ecke mit Süßigkeiten einzudecken, ist mit unseren Vorstellungen von unbeschwerter Kindheit schwerlich vereinbar.

Und wie sollen wir uns beim Straßenmusiker bedanken, wie dem armen Bettler ein paar Euro zukommen lassen?

 

Beide Lager – das die ersatzlose Abschaffung des Bargelds Befürwortende als auch deren Antipoden – haben irgendwie recht. Was also tun? Klar ist: Kriminalität will niemand. Aber grenzenlose Verfügbarkeit des Individuums durch übergeordnete, in der digitalen Anonymität existierende Institutionen will auch niemand.

 

Wie also wäre es mit einem Kompromiss?

 

Mit einer Synthese aus beidem, die sowohl die notwendige Bekämpfung von Kriminalität als auch den Wunsch des Menschen nach Intimität und Privatsphäre berücksichtigt.  

Beides gehört nämlich letztendlich zusammen, ist Eins: Die berechtigten Interessen des Staates stimmen mit den ebenso berechtigten Interessen der Steuerzahler überein: Allein der Schutz des Bürgers fördert dessen Vertrauen in den Staat. Ohne, bricht jedes Staatswesen irgendwann zusammen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob z.B. die Schattenwirtschaft durch ein Bargeldverbot tatsächlich gleich mit abgeschafft würde. Viele Experten weisen darauf hin, dass sich in einem solchen Fall zwar illegale Geldtransfers erheblich verteuerten: Dies würde aber zu einem Schrumpfen des Schwarzsektors nur um lächerliche zwei bis drei Prozent führen.

In den florierenden Volkswirtschaften Deutschlands und Österreichs wird Bargeld nach wie vor extensiv genutzt, und trotzdem sind sowohl das Ausmaß der Korruption als auch die Schattenwirtschaft viel kleiner als in anderen Euroländern und sogar Schweden. Eine Korrelation von Kriminalität und Bargeldgebrauch erscheint daher zumindest zweifelhaft. Vielmehr ist in Ländern wie Schweden, wo es sich beim Bargeld nur noch um eine Marginalie handelt, eine massive Zunahme von Kreditkartenbetrug zu verzeichnen.

 

Noch zweifelhafter erscheint der Nutzen der Bargeldabschaffung bei der Terrorismusbekämpfung. Bei islamistischen Attentätern ist die intrinsische Motivation, schon bald in den Armen von 72 Jungfrauen liegen zu dürfen, dermaßen stark, dass die Probanden hierfür gerne die eigenen Ersparnisse anzapfen. Außerdem liegen die Ausgaben für derartige Anschläge fast immer im Low-Cost-Bereich.

 

Und übrigens: Was die Abschaffung des 500- €-Scheins betrifft, so hat diese nichts, aber auch gar nichts mit der Bekämpfung von Kriminalität zu tun; vielmehr dient sie, wie der Ökonom Hans Werner Sinn uns aufklärt, allein dem Ziel, Geschäftsbanken zum Hinterlegen ihrer Guthaben bei den Zentralbanken zu zwingen. Diese bunkern nämlich, seit es dank EZB-Geldschwemme für Guthaben keine Zinsen mehr gibt, ihr Cash vorzugsweise in Bunkern unter den Schweizer Alpengipfeln. Die Abschaffung des 500-€-Scheins soll die Grenzkosten der Tresorhaltung über diejenige der Negativzinsen für Guthaben drücken. Der 200,- €-Schein nimmt nämlich das 2,5-fache an Raum in Anspruch. Das allein ist der Grund.

 

Fazit: Wer unbedingt kriminell sein und bleiben will, kriegt das auch ohne Bargeld gebacken. Wie wäre es, den Menschen einfach die Wahl der Freiheit und die Freiheit der Wahl zu lassen?

Wie so oft ist auch hier zu Augenmaß zu raten. In der Tat macht Digitalisierung fast überall Sinn!

Die Abschaffung bürgerlicher Freiheiten hat aber noch nie zu Gutem geführt.

Überlassen wir es doch den Menschen selbst, wie sie mit ihrem Geld verfahren. Ihnen das Vertrauen zu entziehen, sie zu entmündigen, führt zu nichts Gutem.

 

Wer auf die Vorteile und den Komfort des digitalen Bezahlens steht, kann dies schon heute fast überall tun. Und das ist auch gut so, und so soll es sein.

 

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