Wie sich kriminelle Organisationen digitaler Techniken und Kryptowährungen bedienen.

 

Kriminelle Organisationen müssen, um erfolgreich zu sein, den Strafverfolgungsbehörden immer ein Stück weit voraus sein, anderenfalls sie ja nicht erfolgreich sein könnten. In ganz besonderer Weise gilt dies für kriminelle Finanztransaktionen.

 

Viel mehr noch als konventionelle Kriminelle sind die Führungen von Armeen oder Organisationen, die einen asymmetrischen Krieg gegen einen unter herkömmlichen Bedingungen unbesiegbaren Gegner führen, auf intelligente Konzepte angewiesen, um ihre perversen Ideen in die Tat zu bringen. Gäbe es die Rote Armee Fraktion noch heute – mit Sicherheit würde die intellektuell keineswegs unterbelichteten Aktivisten von damals alles tun, um den von ihnen ins Visier genommenen „Militärisch-Industriellen Komplex“ mit dessen eigenen Mitteln zu schlagen: Sie würden versuchen, die digitale Infrastruktur zu zerstören.

 

Da das Internet in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch unter der Kuratel der US-Geheimdienste stand, die digitale Technik noch in den Kinderschuhen steckte, raubte man eben Banken aus und kidnappte hie und da mal einen Repräsentanten des „Systems“, um, wie im „Deutschen Herbst“ 1977, im Knast einsitzende Gesinnungsgenossen freizupressen.

 

In diesem, unserem Jahrhundert bedienen sich kriminelle Netzwerke von der italienischen Mafia über das kolumbianische Medellin-Kartell bis hin zu islamischen Terrororganisationen selbstverständlich des Internets. Gegen die tödlichen Aktivitäten dieser Organisationen, einsam an der Spitze der Islamische Staat, wirkt Datendiebstahlkriminalität bestenfalls wie Kinderfasching.

In einer besonders üblen Weise hat in den letzten Jahren der Islamische Staat von sich reden gemacht, und zwar nicht nur in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak, sondern auch in Europa, Asien und Amerika.

 

Die Anführer des IS wissen: Um neue Mitstreiter zu rekrutieren, ist das hochglänzende Internet wie kein anderer Kanal geeignet, die irrsinnige Agenda des Terrors in den Augen der Zielpersonen im strahlendsten Licht erscheinen zu lassen. Die klare Botschaft: Terrorismus ist geil. Terrorismus ist sexy.

Für die andere Zielgruppe, die potentiellen Opfer, erfüllen die sich die viral perpetuierenden Bilder den gegenteiligen Zweck: Sie verbreiten Angst und Schrecken. Die Menschen werden verunsichert, Gesellschaften gespalten, Staaten destabilisiert.

 

Digitales Hightech ist die effektivste Waffe der psychologischen Kriegsführung.  

 

Der Islamische Staat bediente – und bedient – sich gekonnt Social Media, um gezielt junge Männer und Frauen im fanatisierbaren und rekrutierbaren Alter anzusprechen und ihnen in den Foren die Pflicht zum Djihad einzutrichtern.

Wie Werbeagenturen vorgehende Kreativteams und Thinktanks waren in der Hauptstadt des Islamischen Staates, dem syrischen Raqqa, und in Filialen rund um den Globus damit beschäftigt, Werbeclips herzustellen, die den Zielgruppen die Umsetzung der heldenhaften Pläne schmackhaft machten.

 

Eines der größten Probleme des Terrormanagements ist die Organisation der Finanzierung.

 

Leider sind sogar Terroristen mit wenig intelligenten, zutiefst bösartigen Zielen in der Lage, sich intelligenter Methoden z.B. bei der Finanzierung oftmals kostspieliger Anschläge zu bedienen.

Mit „intelligent“ sind hier die Zahlungsmittel und – Wege gemeint sowie die Techniken deren Verschleierung.

So steht eine Organisation, die keinerlei produktive Leistungen erbringt und sich ausschließlich über die Plünderung eroberter Gebiete sowie die Unterjochung und Versklavung der dortigen Bevölkerung bereichert und am Leben hält, vor dem Problem, wie das geraubte Geld und Gut „gewaschen“ werden kann.

 

Das beliebteste Geldtransfersystem islamischer Terroristen basiert auf dem mittelalterlichen, ausschließlich auf Vertrauen basierenden „Hawala“. Hier werden über islamische Finanzintermediäre rund um den Globus teils riesige Beträge verschoben, ohne jede Möglichkeit der behördlichen Überwachung. Nach Erhalt eines Codeworts und gegen Gebühr werden Beträge, die einem z.B. in Saudi Arabien tätigen „Hawaladar“ anvertraut wurden, von einem anderen Hawaldar z.B. in den USA, ausgehändigt. Die Schulden, die Hawaldar 1 beim Kollegen in Übersee hat, werden dann durch als offizielle Geschäfte getarnte Geldtransfers und Kompensationshandel beglichen.

 

Für Terroristen ist diese Form von Geldtransfer so interessant, weil keine personenbezogenen Daten nachgefragt und keine Protokolle geführt werden. Das Geschäft basiert ausschließlich auf Treu und Glaube und dem Prinzip der islamischen Umma, deren vereinigendes und integrierendes Band der Glaube an Allah den Allmächtigen ist.

Allerdings beinhaltet das Hawala zwei entscheidende Schwachstellen: 1. Kann der Geldbote ausgeraubt werden. 2. Das System kann infiltriert und unterwandert werden.

Natürlich ist dies auch den mit Terrorabwehr befassten Geheimdiensten nicht entgangen, und entsprechend haben sie das Hawala-System mit Agenten infiziert. Eines der Hauptziele war von Anfang an, die Finanzierung des IS trockenzulegen.

 

Schon lange vor der Eroberung der nordirakischen Großstadt Mossul war der IS die reichste terroristische Organisation der Welt. Eroberte Erdölquellen ließen die Organisation förmlich im Geld schwimmen.

Im nordirakischen Mossul schließlich wurde die Zentralbank geplündert. In die Hände der Terroristen fielen umgerechnet 400 Millionen Euro, insgesamt verfügte der IS über einen Cashflow von zwei Milliarden Dollar in bar.

 

Bei aller für seine eigenen Aktivitäten notwendigen Geheimniskrämerei wurde der IS wie eine ganz normale Firma gemanagt, mit Büros und Doppelter Buchhaltung. Sogar über eine eigene Währung verfügte der islamische Staat: Den 2015 großmäulig eingeführten „Goldenen Dinar“, mit dem man glorreichen imperialen Zeiten entgegenzugehen beabsichtigte.

Zum Glück scheint der IS, zumindest in Syrien und im Irak, weitestgehend besiegt zu sein. Aber wo ist die ganze Kohle hin?

Spätestens seit das Hawala-System in Syrien und im Irak nicht mehr richtig funktionierte, es auch nicht mehr ohne weiteres möglich war, größere Mengen an Bargeld über die Grenze in die Türkei oder in den Libanon zu schmuggeln, musste sich das Netzwerk nach neuen Möglichkeiten umschauen. Denn der Islamische Staat saß – und sitzt, obwohl von seinen Territorien weitestgehend vertrieben –  nach wie vor auf einem prall gefüllten Sack voll Geld.  

Und nicht nur das entsetzte Publikum, nein auch die Sicherheitsbehörden fragten sich: Wie machen die das nur?

 

Da, leider, auch das Management des IS nicht nur aus Vollidioten besteht, sind sie irgendwann auf die Idee gekommen, ihre Geldtransfers auch unter Zuhilfenahme von Kryptowährungen zu bewerkstelligen – und mit über Blockchains transferiertem Geld Terroranschläge zu finanzieren.

Und, ebenfalls logisch, haben mit Terrorfinanzierung und –Abwehr befasste Ermittlungsbehörden und Geheimdienste auch in diesen Nischen nachgeschaut. Tatsächlich wurden sie fündig: Die Finanzierung gleich einer Reihe von Terrorattacken in Europa und Indonesien wurden via Kryptogeld abgewickelt, zumindest teilweise.

Für die Pariser Nacht – Stichwort „Bataclan“ – konnten entsprechende Transfers nachgewiesen werden. Mit den Kryptofinanzierungen reagierte der IS auf die Schwierigkeiten, die sowohl beim umständlichen und unterwanderungsgefährdeten Hawalasystem auftreten können, aber auch bei traditionellen Banküberweisungen, die natürlich rund um den Globus mit Argusaugen überwacht werden.

 

Auf einigen von Djihadisten betriebenen Webseiten wird ganz offen und unverblümt um Spenden in Bitcoins geworben.

Moderne Zeiten. Sogar im Mittelalter.

 

Shownotes:

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