Wenn es um künstliche Intelligenz geht, stehen gleichzeitig die Fragen im Raum,

  1. inwieweit und, falls ja, künstliche Intelligenz dem Menschen ähnlich werden darf, soll oder nicht darf bzw. nicht sollte,  
  2. in welchem Ausmaß es möglich wäre, künstliche Intelligenz derjenigen des Menschen anzugleichen, und
  3. ob künstliche Intelligenz jener des Menschen nicht ohnehin längst überlegen ist.

 

Wenn es um rein mathematisch-logische Intelligenz geht, ist die letzte, die dritte Frage, klar mit „Ja“ zu beantworten. Computer rechnen schneller und haben größere Speicherkapazitäten. Vor allem aber: Sie machen keine Fehler.

Die erste Frage betrifft in erster Linie ethisch-moralische Aspekte. Sie könnte gar nicht gestellt werden, wenn die Realisierbarkeit des Mensch-Ähnlichen nicht angestrebt würde. Selbstverständlich wird fieberhaft daran gearbeitet.

Die zweite Frage ist – noch – offen, weil sie, siehe Frage 1, die Ansprache der menschlichen Intelligenz beinhaltet.

Menschliche Intelligenz geht allerdings über das rein Logisch-Mathematische hinaus. Menschliche Intelligenz beinhaltet immer auch unlogische, weil psycho-logische Dimensionen. Das heißt: Der Mensch ist ohne Emotionen, ohne Gefühle, ohne Irrationalität nicht vorstellbar.

 

Welche Kriterien müsste ein Androiden-Roboter erfüllen, um so zu sein, dass Unvoreingenommene ihn mit einem Menschen verwechseln?  

Wie müsste ein solcher Apparat aufgebaut sein? Was müsste er können?

Von den physischen, mechanischen Äußerlichkeiten, die relativ problemlos modelliert werden können abgesehen, gilt es ganz besonders, dem Androiden eine der menschlichen Psyche möglichst nahe kommende Software einzubauen, die dazu führt, dass der Apparat sich menschlich verhält.

 

Der menschliche Makel

 

Wenn man also einen richtigen Menschen nachbauen wollte, müsste man ihm auch den für das Menschsein unverzichtbaren menschlichen Makel einzuhauchen. Keinesfalls sollte er aalglatt und fehlerfrei sein, anderenfalls er rasch als Maschine enttarnt würde.

  • Der Android müsste also so etwas wie neurotisch sein können.
  • Er müsste Humor besitzen. Mitleid und Vorfreude.
  • Ein menschähnlicher Homunculus muss sprechen, erfinden, situationslogisch reagieren und handeln können.
  • Muss fühlen können.
  • Muss das Leiden und die Freude kennen, das Wünschen und Wollen.

Und vieles mehr.

 

Oder ist am Ende solches gar nicht notwendig? Reicht es aus, wenn die Maschine checkt, wie wir funktionieren, damit sie, uns dienend, reagiert – und sich bei allem, was sie tut und berechnet, über ihr Maschinen-Sein bewusst bleibt?

 

Zu den Reaktionen gehören auf der menschlich-psychischen Ebene ja auch Kompensationen und die Verdrängung ungewünschter Inhalte, die auf das Innigste mit der auf frühkindlichen Prägungen basierenden Persönlichkeitsorganisation verkoppelt sind.

Man müsste einem solchen Maschinen-Menschenwesen also ein dem Menschlichen entsprechendes Sensorium einpflanzen.

Man müsste es so programmieren, dass es sich in eine menschliche Person hineinzuversetzen kann. Das heißt: ein solcher Apparat müsste sich die Gefühlslage seines menschlichen Gegenübers vorstellen können, und zwar ohne dass man sie ihm mitteilt. Er müsste am Verhalten und den Bewegungen, der Mimik sowie austretenden Stress- und andere Hormonen ablesen können, wie der Mensch sich gerade fühlt, was er will – und er müsste darauf menschlich reagieren. Er müsste Empathie und Mitleid empfinden können.

Er müsste also den Wunsch des menschlichen Gegenübers gegebenenfalls auch ablehnen oder zurückweisen, anderenfalls er ja nicht menschlich wäre.

Eigentlich müsste er sogar Ekel empfinden und Angst haben können.

Mit anderen Worten: Roboter müssten spinnen können, müssten durchdrehen, sich sehnen und träumen. Oder zumindest so programmiert werden können, dass sie sehnend, leidend und spinnend erscheinen. Das jedenfalls ist heute schon möglich.

Man müsste ihnen dann auch ein Programm einbauen, das sie neurotisch werden ließe. Sie bräuchten eine Spielebene und eine Handlungsebene, sie müssten lügen und heucheln können.

Sie bräuchten Hobbies und Vorlieben, einen eigenen Geschmack. Alles machbar.

 

Wie baut man aber eine künstliche Psyche auf?

 

Weil wir davon ausgehen, dass der Mensch als psychischer Organismus mit Kommunikation gleichgesetzt werden kann; und weil wir wissen, dass die ersten nonverbalen Kommunikationen eines jeden Menschen mit der eigenen Mutter oder einem adäquaten Mutterersatz stattfinden, müsste man, wenn man einen Roboter mit menschlicher oder wenigstens menschenähnlicher Psyche anstrebte, daran arbeiten, die hochkomplexen Abläufe von Mutter-Kind- und Kind-Mutter-Kommunikationen auf der Ebene von künstlicher Intelligenz nachzuahmen.

In letzter Konsequenz würde dies dazu führen, dass die Mutter von einer Maschine ersetzt werden kann. Ob dies wünschenswert ist, sei erst einmal dahingestellt. Hier geht es einzig und allein um die Realisierbarkeit.

In der Tat dürfte es aber nicht mehr allzu lange dauern.

 

Jedenfalls ist absehbar, dass Künstliche Intelligenz eines Tages dazu in der Lage sein wird. Was bedeutet, dass Kinder von Androiden aufgezogen werden könnten. Im Prinzip ist es gar nicht so schwer, Programme zu entwickeln, die dem „menschlichen Programm“ vergleichbar sind. Hierfür müsste man sich nur an den Entwicklungsstadien der menschlichen Psyche orientieren.

 

Da Kommunikation zwischen Menschen neben dem Logisch-Intellektuellen immer auch eine emotionale Dimension hat – in der Mutter-Kind-Beziehung ist diese sogar das primäre Element – muss zuerst geklärt werden, welche Themeninhalte die von Gefühlen geprägten Kommunikationen haben. Wenn es also nicht darum geht, einen mathematisch-physikalischen Sachverhalt zu vermitteln, sondern einen nonverbalen, der in seiner Substanz ein emotionaler ist.

 

Der Effekt des Affekts

 

In den ersten Lebensjahren eines jeden Menschen werden in der Kommunikation mit dem Primärobjekt (i.d.R. der Mutter) jene Prägungen vollzogen, die die für den weiteren Verlauf des Lebens bestimmenden Affekte strukturieren.

Der Affekt ist ein überaus komplexes Phänomen.

Jedem Affekt gehen Wahrnehmungen voraus, die entlang der eingeprägten Hierarchie ihrer situativen Relevanz vorsortiert werden. Das heißt: Das durch die frühkindlichen Prägungen strukturierte Unbewusste selektiert die wahrgenommenen Reize aufgrund ihrer Intensität, ihres Kontextes und ihrer Eindeutigkeit. Für den jeweiligen Kontext unbedeutende Reize werden aussortiert und dem Bewusstsein schon in den vorgeschalteten Instanzen entzogen.  

Der dabei entstehende Affekt wird dann vom limbischen System aus in die reizverarbeitenden Gehirnareale prozessiert und, je nach Situation, in die für die kognitive Verarbeitung zuständigen Cortices überführt. Hier befinden sich auch die Entscheidungsinstanzen, die für die folgenden Handlungen, Unterlassungen und die Art und Weise der Kommunikation des Affekts verantwortlich sind. Hier wird festgelegt, wie auf einen Reiz reagiert wird, dessen „Karriere“ den Level eines Affekts erreicht hat.

 

Prinzipiell lassen sich die in der Mutter-Kind- und Kind-Mutter-Kommunikation sieben „Primäraffekte“ unterteilen. Sie sind beim gesunden Menschen angeboren und gehören zu den für das Leben und Überleben von Menschen maßgeblichen Bestandteilen unseres Sensoriums. Sie umreißen die Vitalfunktionen der menschlichen Instinktsphäre. Wir alle können schon vom ersten Atemzug an Interesse, Freude, Wut, Frustration, Überraschung, Furcht und Ekel empfinden. Auf diesen Grundströmungen bauen später weitere, erst durch Prägungen, Erfahrungen und Traumata strukturierte Affekte wie Schuld, Scham und Misstrauen auf.

Die unverzichtbare Bedingung jeder noch so nonverbalen, also emotionalen Mutter-Kind-Kommunikation ist nämlich Vertrauen. Wird das ebenfalls angeborene Urvertrauen verletzt oder gar zerstört, kann es zu massiven psychischen Schäden wie Autismus oder Schizophrenie kommen.

 

Nun sind die enorm komplexen unbewussten Prozesse, die sich in den frühesten Phasen des menschlichen Lebens vollziehen, zwar sehr gründlich erforscht.

Sie so zu beeinflussen, dass am Ende das „Richtige“ herauskommt, ist aber angesichts der unendlichen Menge an Interaktionsformaten, Gefühlen, Stimmungen, Bedürfnissen usw. usf., die in Mutter-Kind-Beziehungen hineinspielen, vollkommen unmöglich.

Darüber hinaus ist es fraglich, ob es erstrebenswert sein kann, einen humanoiden Roboter so zu programmieren, dass er am Ende sämtliche menschlichen Makel aufweist, ohne die der Mensch aber nicht Mensch wäre. Man könnte auch sagen: Der Makel ist es, der den Menschen erst perfekt macht, denn ohne den Makel gäbe es ihn gar nicht. Das Unberechenbare, Impulsive, die Träume und Enttäuschungen, die Müdigkeit und die Lust auf Neues, die Angst, der Ekel, die Sehnsucht und der Wahnsinn – all diese Dinge sind es doch, die das Leben erst zum Leben machen! Worüber sollen wir uns noch unterhalten, wenn wir keine Probleme mehr haben? Wie könnten wir dann noch kreativ sein?

 

Machen wir uns also die künstliche Intelligenz zum Diener. Und wenn das Ding anfängt zu spinnen, wenn es schizophren wird oder autistisch, wenn es ausflippt und tillt – ziehen wir ihm einfach den Stecker.

 

Dann hat die liebe Seele ihre Ruh’.

 

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